Parrot Pot: So funktioniert der intelligente Blumentopf

Erde und Pflanze in den Topf, mit dem Smartphone verbunden und schon gehört der schwarze Daumen der Vergangenheit an? Wir haben den intelligenten Blumentopf Parrot Pot ausprobiert.

Schon vor weit über einem Jahr präsentierte Hersteller Parrot die Idee für seinen elektronischen Blumentopf. Mittlerweile ist das doch erstaunlich wuchtige Gerät erhältlich, das dem aus dem gleichen Hause stammenden Pflanzensensor Flower Power Paroli bietet. Denn die Kernfunktionen sind ähnlich, nur mit einem wesentlichen Unterschied: Flower Power steckt ihr in einen handelsüblichen Blumentopf, das kleine Gadget überwacht Nährstoffgehalt sowie Feuchtigkeit des Bodens, Temperatur und Sonnenlicht. Beim Pot müsst ihr euch zusätzlich um das Wässern eurer Lieblingsblume nicht ständig kümmern, das übernimmt das an eine Urne erinnernde Monstrum für längere Zeit selbständig. Und sonst? Lohnt sich die Anschaffung von über 120 Euro?

So legt ihr los mit dem Parrot Pot…

Parrot macht es euch einfach. Ihr packt den Pot aus, in ein paar Schritten ist er schon einsatzbereit. Zuerst trennt ihr das Gehäuse vom „Innenleben“, steckt vier mitgelieferte AA-Batterien in das vorgesehene Fach und beginnt daraufhin mit dem Einpflanzen eures favorisierten Gewächses. Aufgrund der Ausmaße des Pots müsst ihr genügend Blumenerde parat haben, die Pflanze sollte auch nicht zu klein ausfallen. Seid ihr fertig (achtet darauf, die Erde gut zu verdichten!), füllt ihr bis zu 2,4 Liter (!) in die dafür gedachte Öffnung ein – das beachtliche Reservoir verdeutlicht schon im Vorfeld, wie lange ihr im besten Fall euren Liebling nicht gießen müsst. Einen normalen Urlaub könnt ihr locker überbrücken, auch bei etwas durstigeren Pflanzen.

Sensoren auf der Innenseite. (Foto: Sven Wernicke)

Sensoren auf der Innenseite. (Foto: Sven Wernicke)

Moment. War da nicht noch was? Ach, genau! Ihr müsst euch noch die Flower Power-App für iOS oder Android herunterladen und euren Pot konfigurieren. Über Bluetooth LE stellt ihr unkompliziert eine Verbindung zum Blumentopf her, könnt ggf. die Firmware aktualisieren (ja, das fühlt sich schon etwas schräg an – es ist ein Blumentopf mit Betriebssystem!!) und eure Pflanze auswählen. Dank umfangreicher Datenbank findet ihr schnell die gewünschte Blume. Ich selbst wählte den Senker eines Geldbaumes (ugs. Affenbrotbaum genannt). Ist das erledigt, warten schon die ersten Informationen auf euch.

Hier kommt das Wasser rein. (Foto: Sven Wernicke)

Hier kommt das Wasser rein. (Foto: Sven Wernicke)

Das steckt drin

Es ist erstaunlich: Im Parrot Pot steckt ein 32MHz schneller Prozessor, dem 8KB Arbeitsspeicher und 256KB Flash-Speicher zur Verfügung stehen. Die Hardware ist nötig, um die Daten der Sensoren auszuwerten und auf diese zu reagieren. Wie bei Flower Power werden Sonnenlicht, Düngung, Feuchtigkeit und Temperatur wahrgenommen. Zudem wird das Volumen der Erde berücksichtigt. Das Bewässern erfolgt automatisch bei Bedarf über kleine Spritzdüsen. Im Pot befindet sich also mehr, als es den Anschein hat, obwohl die Kernfunktionen mit denen des sehr viel günstigeren Flower Power identisch sind. Nur gießen müsst ihr eben nicht selbst, sofern Wasser im Behälter vorhanden ist. Das offenbart euch die App rechtzeitig.

Frisch eingeplanzt. (Foto: Sven Wernicke)

Frisch eingeplanzt. (Foto: Sven Wernicke)

Und sonst so? Tja, der Parrot Pot ist quasi ein Selbstläufer. Einmal aufgestellt – übrigens auch draußen auf der Terrasse möglich – funktioniert der Blumentopf automatisch. Es wird gewässert sofern nötig. Und wenn sonst irgendwas nicht stimmt, meldet sich die App schon. Sollte der Wasser-Vorrat mal aufgebraucht sein, blinkt eine LED direkt auf der Oberseite auf. Trotzdem sollen die Batterien bis zu einem Jahr durchhalten. Wenn sie nicht leer sind, wie in meinem Fall die mitgelieferten.

Sieben Wochen später. (Foto: Sven Wernicke)

Sieben Wochen später. (Foto: Sven Wernicke)

Funktioniert es? Empfehlung?

Mir fällt es gar nicht so leicht, ein klares Fazit zu geben. Denn nach meiner jetzt fast zweimonatigen Testphase kann ich sagen: Der Geldbaum wächst – ordentlich sogar. Das Tempo ist, typisch für die Art, recht flott und es gibt sonst kaum etwas zu verkünden. Ein Mal musste ich das Wasser nachfüllen, was zu einer Erkenntnis führte: Gieße ich zu viel ein, läuft es einfach aus einer weiter unten liegenden Mulde auf den Boden. Optimal ist das nicht, allerdings kein gravierender Kritikpunkt.

Fakt ist: Die Idee ist nicht übel, der Parrot Pot eignet sich allerdings nicht für jede Topfpflanze in der Wohnung. Denn bei fünf, sechs Stück wären allein die Anschaffungskosten sehr hoch. Und für größere Bäumchen ist der Pot dann doch irgendwann nicht mehr ausreichend. Besitzt ihr allerdings eine absolute Lieblingspflanze, ein seltenes Erb- oder kostbares Erinnerungsstück, dann ist diese bzw. dieses im intelligenten Blumentopf gut aufgehoben.

Eine Einschränkung sollte euch bewusst sein. Der Pot besitzt keine Verbindung zum Internet, er kann euch also vom Urlaub aus nicht darauf hinweisen, dass ihm das Wasser ausgeht. Das manuelle Gießen von der Arbeit aus aktivieren? Geht leider auch nicht. Vor einer längeren Reise solltet ihr demnach stets den Tank prüfen. Durch wählbare Bewässerungsmodi hält der immerhin bis zu einem Monat, was freilich abhängig von der Pflanze ist.

Tendenziell möchte ich eine Empfehlung aussprechen. Klar, 100 Euro kostet der Spaß, der Nerds erfreuen wird. Seht ihr für euch einen konkreten Mehrwert, dann erhaltet ihr eine funktionierende Lösung, die bei mir zumindest keine Schwierigkeiten bereitet hat – bei anderen offenbar schon. Wollt ihr lieber etwas sparen, schaut euch nach dem Flower Power-Sensor um. Der erfüllt einen ähnlichen Zweck und ist eine ganze Ecke billiger.

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