36 Grad und es wurd‘ noch heißer. Ende Juni fiel in Deutschland ein Hitzerekord nach dem anderen. Entsprechend groß war der Run auf Ventilatoren und Klimageräte. Mit Blick auf die Zahlen wirkt dabei eine Sache auffällig: Die Nachfrage stieg offenbar erst dann so richtig, als die Hitze schon da war. Handelt der Mensch hier rein akut? Das wollten wir herausfinden.
Laut der Funktion „Wetter im Rückblick“ von Wetter Online rollte die bisher größte Hitzewelle in diesem Sommer vor allem vom 18. bis 29. Juni durch Deutschland. Exemplarisch haben wir hier die Orte Stuttgart (für den Süden und Südwesten Deutschlands) und Berlin (für den Norden und Nordosten aufgeführt). An beiden Orten herrschten in dieser Zeit hauptsächlich Temperaturen jenseits der 30 Grad, teils bis zu 40°C.
Berlin:

Stuttgart:

Interessant ist analog dazu die Kurve von Artikelansichten bei Klimageräten auf euronics.de in dieser Zeitspanne:

Hier zeigt sich, dass die Artikelansichten von Klimageräten auf euronics.de tatsächlich erst mit dem Beginn der großen Hitze am 18. Juni ansteigen und dann ihren Höhepunkt in der Zeit vom 22. bis 24. Juni erreichen. Davor liegen die Aufrufe zwar nicht bei null, aber um ein Vielfaches niedriger. Dabei haben Wetterdienste bereits in den Tagen davor vor der Hitzewelle durch die sogenannte Hitzeglocke gewarnt, etwa Wetter.com am 15. Juni.
Experte: „Wenn es akut nicht weh tut, werden wir nicht aktiv“
Wir telefonieren dazu mit Dr. Christoph Specht, Arzt und Medizinkorrespondent und viel zitierter Experte zum Thema Klima. Specht: „Ja, die meisten Käufe von Klimageräten dürften klassische Impulskäufe sein. Das ist eine typisch menschliche Eigenschaft: Wenn es nicht akut weh tut, werden wir nicht aktiv, bei anderen Dingen genauso wenig.“
Dazu käme der im Vorfeld kalkulierte Aufwand: „Ein Klimagerät kostet Geld, es muss transportiert und dann installiert werden. Kaum ist es wieder kühl, vergisst man dann, wie schlimm es war.“

Tatsächlich war auch auf euronics.de die Nachfrage nach Klimageräten (Artikelaufrufe) wieder abgeflacht, nachdem die Hitzeglocke sich dem Ende neigte. Das liegt zum einen an der schlichten Tatsache, dass vor allem günstige Klimageräte aufgrund der hohen Nachfrage temporär ausverkauft waren. Zum anderen brach aber auch die Zahl der Artikelansichten seit dem 28. Juni und dem Ende der Hitze temporär regelrecht ein.
Besonders gefragt war während der Zeit der Hitzewelle vor allem die Klimaanlage Midea PortaSplit, eine Klimaanlage, die sich besonders leicht selbst installieren lässt. Midea bietet auch weitere Klimageräte an.
Tatsächlich war aber auch die Nachfrage nach Turm-, Tisch- und mobilen Ventilatoren während der Hitzewelle sehr hoch. Klimatipps wie Verdunklung des Zimmers tagsüber und nächtliches Lüften waren ebenso gefragt wie Ausweichkäufe derer, die kein Klimagerät mehr bekommen hatten. So verzeichnet euronics.de für die Zeit der Hitzeglocke auch eine überproportional hohe Nachfrage nach Luftfiltern, Luftentfeuchtern, Eis- oder Slushimaschinen wie der Ninja Slushi.
Trotz aller alternativen Methoden: „Eine Klimaanlage halte ich nach wie vor für die sinnvollste Lösung gegen die Hitze“, so Specht, der auch Autor des Fachbuchs „Gesundheit gibt es nicht beim Arzt“ ist. „Für unabdingbar halte ich Klimaanlagen für Krankenhäuser und Altenheime. Aber auch in Privatwohnungen brauchen wir sie zum Schutz gerade von alten und kranken Menschen.“
Zu klären wäre da aber noch der Umweltaspekt. Stehen Klimaanlagen nicht im Verruf, genau das Klima global weiter aufzuheizen, das sie dann lokal wieder runterkühlen müssen?
Specht dazu: „Ich will das Klima für die Menschen schützen. Der Mensch von heute muss überleben, sonst braucht er sich um die Zukunft des Klimas keine Gedanken mehr zu machen.“
Moderne Klimaanlagen deutlich klimaschonender
Der Vorwurf, dass Klimaanlagen das Klima schädigen, stimmt außerdem heute so pauschal nicht mehr. Die Klimaschädlichkeit von Klimaanlagen hängt stark vom Energieverbrauch und dem verwendeten Kältemittel ab.
Maß für Letzteres ist ein Index namens Global Warming Potential (GWP). Das bekanntermaßen klimaschädliche Gas CO2 hat einen GWP-Wert von 1. Ältere Kältemittel wie R410A oder R404A haben ein GWP von 2088 oder gar 3922, sind also 2088- oder 3922-mal so klimaschädlich wie CO2. Selbst das neuere, heute häufig noch im Einsatz befindliche R32 hat einen GWP-Wert von stolzen 675.
Aber: Neugeräte mit diesen klimaschädlichen Mitteln sollen EU-weit ab 2026, respektive 2027 verboten werden. Als Alternativen kommen schon heute zunehmend „natürliche“ Kältemittel wie Propan/R290 (GWP-Wert: 3) oder sogar CO2 (GWP-Wert: 1) zum Einsatz. Klimaschädigend wirken Kältemittel ohnehin erst dann, wenn sie aus dem Kühlkreislauf entweichen, also Leckagen entstehen. Diese sind die Regel, nicht die Ausnahme. Allerdings gingen Leckagewerte in den letzten Jahren durch bessere Bauteile immer weiter zurück, in Deutschland zuletzt von 3,2 auf 1 Prozent.

Für das Energieproblem – Split-Klimageräte haben etwa einen bis zu 100x so hohen Stromverbrauch wie Ventilatoren – hat Specht noch einen weiteren Tipp: „Passenderweise fällt die Nutzung von Klimaanlagen im Sommer ja mit einem hohen Ertrag an Solarstrom zusammen. Wir könnten einen Großteil des Energiebedarfs von Klimaanlagen mit Solarstrom decken.“
Unser Rat zum Abschluss: Klimaanlagen antizyklisch kaufen. Und zwar dann, wenn die große Hitze schon abgeklungen oder noch nicht da ist. Das ist in der Regel im Frühjahr oder im Herbst der Fall. Zudem zu Klimageräten mit einem schonenden Kältemittel wie R290 greifen. Und Teile des Energiebedarfs mit einem Balkonkraftwerk oder einer Photovoltaikanlage decken.
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