Amazon Echo mit Alexa im Wohnzimmer

Erfahrungsbericht: Wie ein smarter Lautsprecher meinen Alltag verändert hat

Trendblogger Jürgen Vielmeier fand lange keine Verwendung für einen smarten Lautsprecher. Dann zog irgendwann doch ein Amazon Echo mit Alexa in seine Wohnung ein. Und seitdem ist nichts mehr, wie es einmal war.

Bei Sprachassistenten und smarten Lautsprechern bin ich ganz bestimmt kein Early Adopter. Muss man ja mit reden, ist nicht so meins. Aber seit einigen Wochen verschönere ich meine Wohnung und da kam mir im Zuge dessen ein smarter Lautsprecher ins Haus.

Es wurde ein Amazon Echo. Die Entscheidung fiel eigentlich spontan. Statt etlicher Kabel meiner beiden Schreibtisch-Lautsprecher zum Subwoofer und von da zur Steckdose, jetzt also Bluetooth und nur noch ein Stromkabel. Und ein echt ordentlicher Klang zu einem vertretbaren Preis. Und eben mit einem Sprachassistenten.

Vom Saulus zum Paulus?

Zuerst war ich natürlich etwas skeptisch. Die paar Male, die ich Alexa bei Freunden ausprobiert hatte, hat sie nur die Hälfte verstanden. Wo ist der Komfortgewinn, wenn man alles dreimal sagen muss, bevor etwas passiert? In der gleichen Zeit hat man doch längst eine Taste gedrückt.

Amazon Echo mit Alexa in meinem Wohnzimmer.

Amazon Echo mit Alexa in meinem Wohnzimmer.

Die Angst war aber unbegründet. In den meisten Fällen versteht Alexa mich sehr gut und macht das, was sie soll. Die Mikrofone des Echo Dot lauschen eifrig und verstehen Kommandos bei geöffneten Türen sogar aus dem Nebenzimmer. Also alles nicht so schlimm. Aber wozu einen Sprachassistenten zu Hause?

Ich habe bisher kaum Smart Home-Lösungen, das stimmt. Und diejenigen, die ich mir kürzlich angeschafft habe – ein Ikea Trådfri und ein Elgato Eve Degree – funktionieren nicht mit Alexa. Was aber recht gut läuft und für mich eine Art Killeranwendung des Echo ist, ist die Verknüpfung mit meinem Spotify-Account.

Spotify und Alexa bilden ein Traumduo

Ich kann einen beliebigen Song auswählen, der mir gerade in den Sinn kommt und ihn, egal, wo ich bin, eben abspielen lassen. Das eignet sich besonders gut beim Aufräumen, beim Aufbauen von Möbeln oder – ja, auch das habe ich getestet – im Badezimmer.

Hier geht es gar nicht unbedingt darum, dass ich zu faul wäre, den einen Knopf zu drücken, um das ebenfalls dort platzierte DAB-Radio einzuschalten. Es geht darum, dass sich das Radio von der Dusche aus nicht lauter oder leiser stellen lässt, wenn ein Song kommt, den ich (nicht) hören möchte. Und darum, dass ein Radio in einem smarten Lautsprecher nur eine von vielen Funktionen ist. Genauso gut könnte dieser die Nachrichten, einen Podcast oder Spotify abspielen – kann mein Radio alles nicht.

Abends oder morgens. Alexa hat sich schnell in den Alltag unseres Autors integriert.

Abends oder morgens. Alexa hat sich schnell in den Alltag unseres Autors integriert.

A propos. Es ist eine schöne Routine geworden, Alexa morgens erstmal einen guten Morgen zu wünschen. Sie hat dann eine Weisheit des Tages parat. Mit „Alexa, die Nachrichten!“ spielt Alexa die „Tagesschau in 100 Sekunden“ ab und man weiß, dass die Welt noch in Ordnung ist. Anschließend gibt es individuell den Wetterbericht für meinen Wohnort. Wenn ich dann noch nicht genug habe, kann ich etwa mit „Alexa, spiele 1live“ Online-Radio einschalten. Am Rechner würde das deutlich länger dauern.

Alle anderen sind eben nur Lautsprecher

Mein Hörverhalten mit Spotify hat sich definitiv verändert, seit ich den Echo habe. Songs oder Alben, die mir gerade in den Sinn kommen, rufe ich einfach mal auf und der Echo spielt sie dann ab. Früher saß ich oft auf der Couch, ein Song fiel mir ein, aber der Weg zum Rechner, den ich erst aufklappen musste, dann Spotify öffnen, dann den Song suchen – war mir zu weit. Alexa übernimmt diesen Skill deutlich schneller. (Und keine Sorge, ich stehe noch oft genug von der Couch auf.)

Mein wirklich gut aussehender Marshall Kilburn Blutooth-Lautsprecher in der Küche kommt mir seitdem so, nun ja, einfach gestrickt vor. Er kann halt nichts selbstständig. Ich muss ihn erst mit dem füttern, was ich hören will, was immer ein kleiner Aufwand ist. Morgen, wenn ich Gäste habe, werde ich ihn zeitweilig mit dem Echo ersetzen. Das geht schlicht einfacher und schneller.

Oder im Badezimmer: Für einen smarten Lautsprecher gibt es viele Einsatzzwecke.

Oder im Badezimmer: Für einen smarten Lautsprecher gibt es viele Einsatzzwecke.

Mittlerweile denke ich darüber nach, mir weitere smarte Lautsprecher anzuschaffen. Kann gerne auch einer mit einem anderen Sprachassistenten sein – Google Assistant oder Siri im Apple HomePod. Ich höre halt gerne Musik – und neuerdings nach Tipps meines Kollegen Frank Müller sogar ganz gerne wieder Podcasts. Ohne viel Aufwand und gar nicht mal all zu hohe Kosten ginge das mit einem smarten Lautsprecher in jedem Raum.

Sprachassistenten im Auto? Hoffentlich bald sehr viel schlauer

Neulich wünschte ich mir, auch im Auto so etwas zu haben. Im Prinzip ginge das auch über einen Assistenten im Smartphone. Aber mit Siri und Android Auto im Test habe ich im vergangenen Jahr keine besonders guten Erfahrungen gemacht. Die haben weit mehr Aufmerksamkeit auf das Display gelenkt als vernünftig gewesen wäre.

Ich hoffe, wir kommen bald dahin, denn ein smarter Assistent, der schnell zum nächsten Titel springt, mir WhatsApp-Nachrichten vorliest und mir hilft, sie direkt zu beantworten. Das wäre nicht nur zeitgemäß, es würde auch die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen.

Smart Home Steuerung mit Schaltern: Es muss nicht immer Alexa sein

Die Nachteile seien auch nicht verschwiegen. Noch zu oft geht irgendwas schief. Alexa weiß keine Antwort oder versteht mich doch falsch. Mal eben schnell einen gerade gehörten Song noch einmal aufrufen, wird nicht unterstützt. Oder überhaupt: Ein Gespräch mit Alexa zu starten ist schwer möglich, weil sie nach der letzten Anfrage sofort vergessen hat, worum es ging, man also nicht einfach daran anknüpfen kann.

Alexa hört alles und stellt sich doch manchmal dumm

Ruft man mit Alexa via Spotify einen beliebigen Songtitel auf, wählt Alexa nur den obersten Suchtreffer und kann danach nicht weiter skippen. Um etwas zu testen, bat ich Alexa etwa neulich „Ave Maria“ zu spielen und das System begann tatsächlich mit der Version des Deutschrappers Kollegah.

Besonders nervig ist auch, wenn Alexa einen zwar versteht, die Aufgabe klar sein müsste, sie es aber trotzdem einfach nicht tut. Ich wünschte mir etwa den Song „Best Friend“ von Sofi Tukker. Alexa verstand mich auch, wiederholte das Ergebnis, behauptete aber, den Titel auf Spotify nicht zu finden, den es dort selbstverständlich gibt:

Gut, geschenkt. Es ist noch viiieeel Luft nach oben, aber sehr vieles funktioniert auch schon.

Verwanzte Wohnung? Eher ein verwanztes Leben

Und der große Lauschangriff? Der wird neugierigen Personen mit einem smarten Lautsprecher mit mehreren in alle Richtungen lauschenden Mikrofonen natürlich vereinfacht – machen wir uns da nichts vor. Viel Spannendes wird man auf die Weise nicht über mich in Erfahrung bringen können, fürchte ich. Dafür passiert hier schlicht zu wenig:

Sascha Lobo merkte neulich in seinem Debatten-Podcast an, dass jeder eine Wanze täglich längst mit sich herumträgt: im Smartphone. Auf der einen Seite ein Smartphone nutzen, auf der anderen Seite einen smarten Lautsprecher verteufeln – das passt nicht so ganz zusammen.

Eins ist allerdings seit Jahren usus bei mir: technische Geräte kommen nicht in mein Schlafzimmer. Auch Smartphone und smarter Lautsprecher nicht. Wenn ich wirklich Privatsphäre möchte, werden neugierige technische Geräte ausgeschaltet und zur Not in Schubladen verstaut. Beim Echo ziehe ich dann einfach den Stecker.

Muss nicht teuer sein: Vier Tipps für den kostengünstigen Einstieg ins Smart Home

Nicht für alles ist Sprachsteuerung der schnellste Weg – warum etwa hat Amazon im Echo keine Skip-Tasten eingebaut? – aber es vereinfach sehr vieles. Und ich kratze seit einer Woche Nutzung gerade mal an der Oberfläche, habe mich noch gar nicht intensiv mit den Hunderten von Skills beschäftigt. Jemand, der zahlreiche kompatible Smart Home-Komponenten wie Thermostate, Philips Hue-Lampen oder Multiroom-Systeme benutzt, kann auch noch viel, viel mehr damit rausholen.

Aber dass so ein smarter Lautsprecher selbst in einer kaum smarten Wohnung wie meiner nach nur einer Woche schon fast unentbehrlich wird… Ja, das hat mich überrascht. Wie sieht es da bei euch aus?

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Ein Kommentar zu “Erfahrungsbericht: Wie ein smarter Lautsprecher meinen Alltag verändert hat
  1. Alexa erfordert zwar manchmal einen ähnlichen Geduldslevel wie der Umgang mit Kindern, aber mit der Zeit wird vieles immer einfacher. Angefangen mit dem Ersatz für das Badradio steuern mittlerweile mehrere, in der Wohnung verteilte Echo Dots mittels Homee (modulare Smarthome-Zentrale) das Licht, den Fernseher, die Hifi-Anlage, Heizkörper und die Multiroom-Lautsprecher von Sonos.
    Es gibt immer wieder neues zu entdecken. So wie die endlich verfügbare Musik-Wecker-Funktion. Auch die Info über die Fahrtstrecke zu unterschiedlichen Fahrzielen lassen sich via Skill anrufen. Um es mit dem ehemaligen 1. Offizier der Enterprise zu sagen: Faszinierend!

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