Die Roboter im Haushalt werden menschlicher

Saugroboter galten bislang als smart, weil sie sich in der Wohnung frei bewegen konnten. Was jetzt über die Flure fegt, ist smart, weil es mehr kann: mit dem Menschen kommunizieren und das mit einem menschlichen Gesicht. Roboter werden zum zentralen Zugang im Smart Home.

Nehmt die Füße hoch, wenn der Saugroboter kommt! Der ist zwar smart genug, jeden Krümel im Raum zu finden, auf euch reagiert er aber nicht so gut. Dafür müsst ihr bislang das Tablet zur Hand nehmen, das das Smart Home steuert (oder Alexa das passende Kommando zurufen). Zur CES 2017 wurden nun Roboter gezeigt, die sich in der Wohnung frei bewegen und dabei mehr Aufgaben übernehmen können. Sie werden sogar zur Smart-Home-Zentrale, und das Gespräch mit ihnen wird menschlicher. Doch einer der hier vorgestellten kann auch noch staubsaugen.

Ecovacs Unibot

Noch nicht weit vom Ursprung entfernt hat sich der Ecovacs Unibot. Er sieht nicht nur aus wie ein Staubsauger-Roboter, er ist auch einer. Doch auf seinem Weg durch die Wohnung kann er gleichzeitig noch weitere Aufgaben übernehmen. Mit dem passenden Aufsatz reinigt er zum Beispiel die Raumluft. Dafür überprüfen Sensoren deren Qualität, ein Filter entfernt Verunreinigungen und sogar Krankheitserreger. Ein anderes Modul, das ebenfalls aufgesteckt wird, fungiert als Alarmanlage. Falls Rauch entdeckt wird oder per Sensoren an Fenstern und Türen ein Einbruch, erfolgt auf dem Smartphone des menschlichen Mitbewohners umgehend eine Nachricht. Per Direktschaltung kann dieser dann auch von unterwegs sehen, was zuhause vor sich geht.

Damit bewegen sich mehr Sensoren durch die Wohnung, die oft ein Vorteil gegenüber fest intallierten haben. Der Saugroboter wird zu einem Wachhund, der Ungewöhnliches aufspüren und jederzeit Alarm schlagen kann. In Normalfall achtet er aber lediglich darauf, dass es Herrchen und Frauchen gut haben. Sie sollen sich schließlich wohlfühlen. Auf seinem Rundweg durch die Wohnung lässt der Unibot dann die Jalousien herunter, wenn es draußen dunkel wird. Er schaltet das Licht an, kurz bevor die Bewohner üblicherweise heimkehren – und abends wieder aus, nachdem alle zu Bett gegangen sind. Tagsüber erinnert er auch an Termine, wobei es andere Roboter gibt, die mitteilsamer sind. Erscheinungstermin und Preis sind noch nicht bekannt.

LG Hub Robot

Der LG Hub Robot kommt ohne eine Grundfunktion wie das Staubsaugen aus. Er soll sich lediglich durch die Wohnung bewegen, alles inspizieren und mit den Menschen kommunizieren. Dafür erfasst er seine Umwelt mit Kamera und Mikrofonen, und er wendet sich an einen Menschen, wenn seiner Meinung nach Handlungsbedarf besteht. Zwei runde Lichter in einem Kreis formen eine Art Gesicht, um zumindest ansatzweise etwas Mimik zu zeigen. Er kann auch mit dem Kopf nicken. Per Gesichtserkennung weiß der LG Hub Robot, mit wem er spricht. Er versteht sogar alles, was man sagt, denn LG hat den Sprachassistenten Alexa integriert. Wie schon beim neuen Kühlschrank InstaView kombiniert LG erstmals Alexa mit einem Bildschirm. Der Amazon Echo muss ohne auskommen.

Der LG Hub Robot ist ein fahrender Amazon Echo mit Gesicht und Mimik (Bilder: LG)

Auf diese Weise kann der LG Hub Robot nicht nur Musik abspielen (ein Lautsprecher ist eingebaut), die Heizung regulieren oder den Ofen vorwärmen. Durch Integration in die Alexa-Plattform erhält die wandelnde Smart-Home-Zentrale Zugriff auf alle Geräte, die damit verbunden sind. LG muss sich nicht weiter um Schnittstellen und Kompatibilitäten kümmern, das Netzwerk wächst ganz von allein. Zusätzlich gibt es eine kleine Variante des Hub Robot, die an den smarten Küchenhelfer Mykie erinnert und sich ebenfalls nicht bewegen kann, sondern wie Echo auf dem Tisch steht. Gleichzeitig präsentiert wurde eine größere, mannshohe Version namens Airbot, die den Passagieren in einem Flughafen Fragen beantworten soll. Offensichtlich handelt es sich dabei um ein Testmodell, das mit der gleichen Technik noch größere Räume erobern soll als nur die heimische Wohnung. Erscheinungstermin und Preis wurden auch beim LG Hub Robot noch nicht genannt.

Bosch Kuri

Beim Bosch Kuri geht sogar fast nur noch ums Wohlfühlen. Der 50 cm große Roboter dreht den Kopf, wenn er angesprochen wird, und er beantwortet Fragen auch, indem er den Kopf zu einem Nicken neigt. Sprechen kann er nicht, stattdessen macht er mit einer Folge von Piepstönen auf sich aufmerksam, die wohl wie ein Seufzen klingen sollen, aber auch an R2-D2 erinnern. Zudem pulsiert ein Licht in der Herzgegend, und ein koketter Augenaufschlag soll es menscheln lassen, wenn Kuri kommuniziert. Der smarte Assistent drückt sich ausschließlich über solche Emotionen aus, über eine Sprachausgabe oder ein Display verfügt er nicht.

Der Kuri ist das erste Produkt des Startups Mayfield Robotics, das zu Bosch gehört. Auch wenn er nicht selbst staubsaugen kann, so ist er doch in der Lage, selbstständig oder auf Zuruf ein bestimmtes Zimmer in der Wohnung aufzusuchen und dort Bild sowie Ton aufzuzeichnen. Er lässt sich in den Nebenraum schicken, um alle Familienmitglieder zum Essen zu rufen. Er kann Musik abspielen oder Podcasts und den Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen. Der Kuri wirkt von drei hier vorgestellten Hausrobotern zwar als der unscheinbarste, dennoch ist er ähnlich wie der LG Hub Robot in der Lage, die Aufgabe des zentralen Interface zum Smart Home zu übernehmen. Statt per Alexa verbindet er sich dafür mit anderen Geräten per IFTTT. Diese Plattform gewinnt ebenfalls immer neue Geräte dazu, die sich darüber steuern lassen. Der Bosch Kuri soll Ende 2017 erscheinen und knapp 700 Dollar kosten.

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