Traut sich nicht: Microsofts zaghafte Virtual Reality-Versuche

Traut sich nicht: Microsofts zaghafte Virtual Reality-Versuche

Was ist eigentlich bei Microsoft los? So recht ist der Redmonder Konzern nicht davon überzeugt, dass Virtual Reality das nächste „große Ding“ werden könnte. Zumindest gibt man sich aktuell doch erstaunlich zurückhaltend.

Papp-Brille für Russland?

Bei Google längst ein alter Hut, für Microsoft offenbar noch Neuland: Extra für einen russischen, am 17. Oktober 2015 stattfindenden Entwickler-Wettbewerb bietet das Softwareunternehmen das Microsoft VR Kit an. Das ist eine Papp-VR-Brille im Stil von Google Cardboard, nur eben mit eigenem Design und für Lumia-Smartphones ausgelegt. Auf diese Weise sucht man in den Bereichen Spiele, Bildung und Business Ideen für VR-Anwendungen.

Cardboard von Microsoft. (Foto: Microsoft)
Cardboard von Microsoft. (Foto: Microsoft)

Bisher ist Microsoft VR Kit wohl eher für diesen Hackathron gedacht, nicht für die Massen. Das liegt vielleicht auch daran, dass es derzeit keine ausschweifende Unterstützung seitens Microsoft gibt – im Bereich VR-Apps für Windows Phone. Ob dies der erste zaghafte Versuch ist, hier endlich einmal Fuß zu fassen?

Angst vor VR?

Ein wenig hat man den Eindruck, als hätte Microsoft etwas Angst vor Virtual Reality. Xbox-Chef Phil Spencer beispielsweise hofft, dass sich das Eintauchen in virtuelle Welten nicht durchsetzen wird. Seiner (persönlichen) Meinung nach schätze er es, wenn man mit realen Menschen zusammenkommt, um gemeinsam Spaß zu haben. Bezogen aufs Gaming ist Spencer der Auffassung, dass VR nicht der einzige Weg sein soll, um Spiele zu erleben.

HTCs Vive könnte Oculus Rift ernsthafte Konkurrenz bereiten.
HTCs Vive könnte Oculus Rift ernsthafte Konkurrenz bereiten.

Vielleicht ist dies auch der Grund, wieso man zwar gewillt ist, Kooperationen mit anderen Herstellern einzugehen, selbst aber noch keine Produkte ankündigte. Die VR-Brille Oculus Rift wird mit der Xbox One funktionieren, aber über Windows 10 eher in Form einer virtuellen Spielhalle. Gewissermaßen. Ebenfalls unterstützt man mit Windows 10 VR-Peripherie softwareseitig, neben der Oculus Rift auch HTCs Vive, das zusammen mit Valve entsteht. Aber: Speziell die Oculus Rift wird wahrscheinlich niemals direkt von der Xbox One unterstützt – wie PlayStation VR für die PlayStation 4. Das dürfte wohl an der technischen Limitierung der Spielkonsole liegen.

Und was ist mit Hololens?

Allen Anschein sehen die Verantwortlichen in Redmond nicht in VR, sondern in AR die Zukunft. Die Brille HoloLens soll die Realität erweitern, nicht komplett verändern. Der Weg zum finalen Produkt ist aber noch ein langer, vor 2016 ist mit der Veröffentlichung der Peripherie, die sicher nicht zufällig an das gescheiterte Google Glass erinnert, zu rechnen.

Sowieso dürfte das nächste Jahr andeuten, wie die Menschen auf VR reagieren. Der Spielesektor gibt mit PlayStation VR, Oculus Rift, Vive und sicher noch weiteren VR-Brillen die Richtung vor. Samsungs Gear VR und Googles billige Pappbrille Cardboard wollen weiter den mobilen Sektor abdecken. Und Microsoft? Wartet ab und beobachtet den Markt? Oder wird diesen Trend in erster Linie mit Software versorgen? Erst kürzlich wurde schließlich „Minecraft“ für Oculus Rift angekündigt.

Ein wenig bin ich trotzdem gespannt, ob Microsoft sich traut oder keine Notwendigkeit sieht, selbst VR-Hardware verkaufen zu wollen. HoloLens mag ein vielversprechendes Produkt sein, wird aber keine VR-Brille ersetzen können. Doch genau das könnte freilich ein Vorteil sein, sollte sich Virtual Reality nicht – wie von vielen Firmen erhofft – durchsetzen.

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