Nintendo Switch mit OLED im Test: Schöner, größer, besser?

Die Nintendo Switch mit OLED-Bildschirm überzeugt mit neuem Display, besserer Haptik und dem komfortableren Standfuß.

Nintendo Switch mit OLED im Test: Schöner, größer, besser?

Eine von Fans erhoffte Pro-Version mit mehr Rechenpower und 4K-Ausgabe ist die Revision nicht. Nintendo konzentrierte sich stattdessen auf viele Detailverbesserungen, was vor allem dem mobilen Spielerlebnis zugute kommt.

Der Bildschirm: Ein Highlight!

Im Fokus steht der neue Bildschirm. Dieser misst nun 7 Zoll in der Diagonale. Damit fällt das Neu-Gerät größer aus als die 6,2 Zoll der Original-Switch und die Switch Lite. Trotz größerem Bildschirm bleiben die Dimensionen zur Hybrid-Switch mit 3 mm extra in der Breite nahezu gleich.

Die Joy-Con-Controller samt Halterung sind identisch – Dock und Hauptgerät hingegen unterscheiden sich von der Uralt-Switch.

Statt auf ein LC-Display setzen die Ingenieure auf ein zeitgemäßes OLED-Panel. Das besitzt einen höheren Kontrastumfang und eine natürliche Farbwiedergabe, ist gegenüber dem LCD platz- und stromsparender sowie reaktionsschneller. Die Helligkeit regeln die einzelnen RGB-Leuchtdioden, während die vorherigen Switch-Versionen mittels Hintergrundbeleuchtung das gesamte Panel erhellten. In der Revision ist schwarz auch wirklich schwarz, und nicht nur tiefgrau, wie es beim Vorgänger der Fall ist.

Auf dem OLED-Bildschirm wirken die knalligen Farben in „Mario Kart 8 Deluxe“, „Super Mario Odyssey“ oder „The World Ends With You“ noch etwas schriller. Die dunklen, schattigen Verließe in „Elder Scrolls: Skyrim“ profitieren von den fein dargestellten Grau- und Schwarztönen. Der Online-Shooter „Splatoon 2“ und das Rennspielspiel „Fast RMX“ profitieren von der schnellen Reaktionszeit des Displays. Ohne Geisterbilder bzw. Schlieren ballert und rast es sich besser.

Obwohl die Auflösung von 1.280 mal 720 Pixeln identisch bleibt, wirkt das Bild krisper. Das liegt an der Pixel-Anordnung des verbauten Samsung-Bildschirms, wie wir in einer Makro-Aufnahme zeigen können:

OLED hat dafür einen Nachteil beim Burn-In. Stellt das Panel über einen langen Zeitraum die gleichen Inhalte dar, können diese als Geisterbilder erkennbar bleiben. Nintendo versichert, den Bildschirm softwareseitig dagegen gewappnet zu haben. Geschützt ist das Panel übrigens von einer speziellen Glasschutzfolie, die ab Werk angebracht ist.

Der Lieferumfang

Ins Paket gepackt hat Nintendo die Konsolen-Basis, das neue Dock für die Bildwiedergabe am TV, zwei Joy-Con-Controller samt Schlaufe und Halterung für den TV-Betrieb, ein HDMI-Kabel und den Netzadapter. Dreingaben oder eine Anleitung gibt es nicht. Solltet ihr also noch kein Spiel haben, müsst ihr ein solches erst noch erwerben. Wobei insbesondere ein Titel vom OLED-Panel profitiert.

Der Showcase: Metroid Dread

Zeitgleich mit der OLED-Switch kam auch Metroid Dread auf den Markt. Das neuste Abenteuer der Kopfgeldjägerin Samus Aran zeigt, wo OLED Stärken ausspielt. Die großen Kontraste und leuchtenden Farben kommen auf der aktuellsten Switch bestens zur Geltung. Auf den Vorgängermodellen und der Lite entsteht im direkten Vergleich der Eindruck, es würde ein leichter Grauschleier über dem Spielgeschehen liegen.

Ein weiterer OLED-Vorteil ist die schnellere Reaktionszeit gegenüber dem LCD. Schlieren sind reduziert, Bewegtbilder klarer gezeichnet. Alles Aspekte, mit denen Metroid Dread den Kauf des OLED-Modells adelt.

Viele, viele kleine Verbesserungen

Der Bildschirm ist die radikalste Änderung gegenüber der Ur-Switch. Aber nur eine von vielen, kleineren Verbesserungen, die vor allem Mobil-Spieler bemerken dürften. Das fängt bei der Joy-Con-Halterung an. Die ist bei der OLED-Switch viel fester, so dass die eingehängten Eingabegeräte nicht wackeln. Bei unserem Testgerät führte das dazu, dass wir mehr Kraft aufbringen mussten, um die Controller wieder abzuziehen.

Spielt ihr mit einzelnen Joy-Cons und wollt die Switch hinstellen, ist der Standfuß eine weitere Verbesserung. Das 2017er-Original bot lediglich einen kleinen Klapp-Arm. Das neue Modell einen Surface-ähnlichen Standfuß über die gesamte Gerätebreite, den ihr frei einstellen könnt.

Links die originale Switch mit Klapp-Arm, rechts die OLED-Switch mit Surface-änhlichem Standfuß.

Die Standfuß-Scharniere verdrängen Teile der Platine. Das nutzte Nintendo, um die Lautsprecher neu zu designen und an der unteren Gerätekante zu positionieren. Der Klang der Mini-Membrane geht vollkommen in Ordnung, kann aber mit Highend-Mobilgeräten wie dem iPad nicht mithalten. Besser ist der Klang über den 3,5-mm-Audioausgang auf der Oberseite. Diese beherbergt zudem den On/Off-Knopf und zwei eher schlecht zu drückende Lautstärketasten.

Die Oberseite bietet ein dezent verändertes Layout.

Eine weitere Neuerung ist der neugestaltete Lüftungsschacht, der dank optimierter Wärme-Ableitung kleiner ausfällt. Dennoch ist dies nur eine suboptimale Lösung, da hier Wasser eindringen und die Switch irreparabel beschädigen kann. Das Problem kann nur eine weitere Revision lösen.

Ist das die Nintendo Switch Pro?

Dass eine solche, grundlegend radikale Überarbeitung kommt, darauf hoffen Fans seit ewig und drei Tagen. Die Switch mit OLED-Display ist nicht das herbeigesehnte Pro-Modell. Unter der Haube verbaut Nintendo den gleichen ARM-Prozessor. Der kommt abseits der japanischen Spielekonsole in der nVidia Shield TV Pro zum Einsatz.

Links der microSD-Schacht der alten Switch, rechts die neugestaltete Speicherbucht der Switch mit OLED-Bildschirm.
Links der microSD-Schacht der alten Switch, rechts die neugestaltete Speicherbucht der Switch mit OLED-Bildschirm.

Der Arbeitsspeicher ist mit 4 GB unverändert dimensioniert, dafür gibt es eine Flashspeicher-Verdoppelung auf 64 GB. Für Download-Spiele und weitere Inhalte findet sich erneut ein microSD-Schacht, der Karten mit bis zu 2 TB Speicher aufnimmt.

Neues Dock: LAN-Anschluss und Firmware-Updates

Staubfänger deluxe. Links das abgerockte Dock der 2017er Switch, rechts die Revision. Erkennbare Unterschiede sind Logo-Größe und die abgerundeten Kanten.
Links das abgerockte Dock der 2017er Switch, rechts die Revision. Erkennbare Unterschiede sind Logo-Größe und die abgerundeten Kanten. Und der Staub, den aber auch das neue Modell wie magnetisch anzieht…

Unterwegs zockt ihr die Switch mit dem verbauten Display. Daheim gleitet die Konsole ins Dock und gibt das Bild via USB-C an den Fernseher aus. Dabei unterstützt die Switch mit OLED-Bildschirm eine Auflösung von bis zu 1080p bei 60 Hz. Erwähnenswert ist dies, weil Switch-Prozessor und -Dock theoretisch eine 4K-Auflösung ausgeben könnten. Nintendo unterbindet dies aber mit einem limitierten Datendurchsatz von maximal 50 MB/s – zu wenig für 4K. Vielleicht reicht der Hersteller mittels Firmware-Update diese Funktion noch nach.

Mehr als nur Kosmetik. Das neue Dock besitzt einen integrierten LAN-Anschluss, einen neuen Abwärme-Kanal und ist neuerdings updatefähig. Wofür, darüber schweigt Nintendo.

Das neue Dock ist dennoch ein Zugewinn. Weil ihr darüber ein LAN-Kabel zum Router führen könnt, um das störanfällige WLAN-Signal zu umgehen. Das war bei der Ur-Switch über einen eigens eingestöpselten USB-LAN-Adapter möglich. Die Netzwerkbuchse des neuen Dock verdrängt den USB-Anschluss für Ladekabel und Drittherstellercontroller an die Außenseite.

Sollten euch derartige Neuerungen euphorisieren, frohlocket. Das neue, zu allen Hybrid-Switch-Modellen kompatible Dock bietet Nintendo separat an.

Wie lange hält der Akku?

Die 2017er-Switch hatte nicht gerade den Ruf eines Dauerläufers inne. Je nach Spiel machte die Batterie nach 3,5 bis 5 Stunden schlapp. Die 2019er Revision mit effizienterer CPU prügelte die Maximallaufzeit auf gut 6 Stunden hoch. Eine Leistung, welche die Lite-Version ebenfalls bot.

Den knuffigen Indie-Titel „Lumo“ können wir auf einer voll geladenen Switch mit OLED-Bildschirm knapp 6 Stunden am Stück spielen.

Diese Laufzeitspanne ist auf der OLED-Switch ebenfalls realistisch. Die rechenintensiven Titel Animal Crossing und Metroid Dread brachten den Akku in 4 Stunden auf einen kritischen Ladestand. Genügsamere Indie-Spiele, darunter Untitled Goose Game und Lumo, zwangen die Neu-Revision erst nach etwas mehr als 6 Stunden in die Knie.

Welches Zubehör ist mit der OLED-Switch kompatibel

Alle bisher erschienen Joy-Con-Controller, der RingFit-Adventure-Ring und microSD-Karten sind mit der Switch mit OLED-Bildschirm kompatibel. Das gilt auch für das alte Dock, das Bild und Ton an den Fernseher weitergibt. Umgekehrt könnt ihr das neue Dock separat erwerben, um eure Ur-Switch darin zu parken.

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Nintendo Labo ist mit dem OLED-Modell der Switch kompatibel.

Bedenken gab es, die Switch könne aufgrund ihres 3 mm breiteren Gehäuses nicht mehr zum Papp-Bastelset Labo passen. Hier können wir Entwarnung geben. Das Roboter-Kit und die Rennspiel-Bastelbögen passen zur OLED-Switch. Einzig der einzeln erwerbbare LAN-Adapter ist dank Netzwerkanschluss im Dock überflüssig.

Fazit: Lohnt das Upgrade?

Ihr habt keine Switch und wollt euch die Nintendo-Konsole frisch kaufen? Dann ist der Griff zum OLED-Modell erste Wahl. Ihr besitzt die Hybrid-Konsole und spielt meist unterwegs? Auch dann ist ein Upgrade attraktiv, sollte euch der Mobile-Only-Ansatz der Lite-Version nicht behagen. Viele Detailverbesserungen und der leuchtstarke, größere Bildschirm adeln die OLED-Switch zum bislang besten Modell der gesamten Konsolenfamilie.

Eine Pro-Version ist das Modell nicht, aber die bislang beste Möglichkeit, in den Kosmos der Hybrid-Konsole einzutauchen. Die Nintendo Switch mit OLED-Bildschirm ist im Fachhandel erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt zum Marktstart bei etwa 360 Euro.

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Ein Kommentar zu “Nintendo Switch mit OLED im Test: Schöner, größer, besser?

  1. Wir haben uns die OLED-Version auch gekauft (erste Switch überhaupt) und es macht echt richtig Spaß darauf zu zocken. Gerade, dass man mit einer Nintendo-Mitgliedschaft auch alte S/NES Spiele benutzen kann, ist super! Liegt gut in der Hand, auf dem TV noch nicht ausprobiert.

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