Mobile Android-Spielkonsolen: Rückblick auf eine hoffnungsvolle neue Produktklasse im Jahr 2014

Nicht nur Microsoft, Sony und Nintendo bieten passende Geräte zum Spielen an. Auch andere Hersteller buhlen um die Gunst der Gamer – neuerdings auch um diejenigen, die eigentlich nicht stundenlang mit dem Besuchen virtueller Welten verbringen möchten. Die Alternativen sind unter anderem Tablets und Mediaplayer, die auf dem mobilen Betriebssystem Android basieren. Und gerade 2014 passierte in diesem Segment einiges…

Alternativen?

Wer gelegentlich mal ein Wimmelbildspiel erleben oder eine 3-Gewinnt-Herausforderung überstehen möchte, benötigt wirklich keine Spielkonsole, die 300 Euro und mehr kostet. Nüchtern betrachtet sind für Gelegenheitsspieler auch die Handhelds von Nintendo oder Sony eher ungeeignet, richten sich diese doch eher an die, die etwas mehr Anspruch erwarten. Smartphones und Tablets veränderten nicht erst dieses Jahr den Medienkonsum gravierend. Längst lassen sich sogar ehemalige Skeptiker und Nicht-Spieler mit einem „Candy Crush Saga“ oder einem „Angry Birds“ unterhalten: simpel, schnell verstanden, unkompliziert und teils sogar kostenlos. Eine prima Sache.

Die Ouya: Ein Vorreiter, der 2014 kaum noch von Relevanz war. (Foto: Ouya)

Die Ouya: Ein Vorreiter, der 2014 kaum noch von Relevanz war. (Foto: Ouya)

Aber: Solche Spielesnacks sind oftmals der Einstieg. Was, wenn man nach und nach mehr verlangt? Hier zeigten 2014 einige Unternehmen ihre Lösungen, die meist ein Kompromiss aus Preis und Leistungsfähigkeit darstellen. Sie kosten relativ wenig Geld, bieten aber die Vorzüge einer vollwertigen Spielkonsole, die gut und gerne dreimal teurer ausfällt. Mit der Android-basierten Ouya wagte ein Startup 2013 einen mutigen Schritt, Casual-Entertainment von den mobilen Geräten an den HDTV zu bringen. 2014 mag von der Ouya kaum noch jemand reden, dagegen probieren Firmen wie Nvidia, Google und sogar Activision Blizzard, ihre Konzepte zu etablieren.

Nvidia Shield Tablet: Für echte Gamer

Das Shield Tablet vom Chiphersteller Nvidia war zwar nicht das erste Gaming-Tablet, ist allerdings das erste, das auch etwas taugt und vor allem die anspruchsvollen Spieler ansprechen möchte. Zwar verzichtet man auf echte Tasten oder einen Analogstick, dafür wird ein separater Controller angeboten, der perfekt mit dem Shield Tablet harmoniert. Das Herz ist der enorm leistungsfähige Tegra K1-Prozessor, der auf den großen Chips für Desktop-PCs aufbaut und so hochwertige Grafiken auf das Full-HD-Display bringen kann. Vorausgesetzt, er wird von Apps ausgenutzt.

Leistungsstark und von guter Qualität - das Shield Tablet. (Foto: Nvida)

Leistungsstark und von guter Qualität – das Shield Tablet. (Foto: Nvida)

Einige weitere Vorzüge besitzt das Shield Tablet, das preislich in der 16GB-WIFI-Version ab 300 Euro beginnt. Denn man darf ohne Probleme Spiele vom PC mit aktueller Nvidia-Grafikkarte auf das 8-Zoll-Gerät streamen. Wer das Tablet nun via HDMI mit dem HDTV verbindet, holt so Windows-Spiele aus dem Arbeitszimmer in die Wohnstube. Zudem startete kürzlich der hauseigene Cloudgaming-Dienst, mit dem man aktuelle PC-Blockbuster über Internet auf den Touchscreen darstellt. Android 5.0 ist übrigens die Softwarebasis.

Kurzum: Zwar ist das Shield Tablet ein sehr gut ausgestattetes Android-Tablet, überzeugt aber mit einem cleveren Konzept vor allem die Coregamer. Eine interessante Mischung. Und ein „Candy Crush Saga“ funktioniert natürlich ebenfalls.

Controller ohne Ende

2014 probierten zahlreiche Hersteller, Game-Controller für iOS- und Android- Geräte in den Handel zu bringen. Zahllose Ansätze sind hier bereits erhältlich, darunter beispielsweise Logitechs PowerShell Controller. Dieser verwandelt ein iPhone oder einen iPod Touch in eine Handheld-Konsole. Toll daran: Zahllose Games unterstützen diesen, sodass man tatsächlich das Gefühl erhält, an einer tragbaren Spielemaschine zu sitzen. Das Angebot für Smartphones und Tablets mit Android-Betriebssystem ist sogar noch größer, auch hier machen viele Spiele Gebrauch von dem Zubehör. Prominente Controller-Beispiele wären der Stratus von SteelSeries oder der Snakebyte idroid:con. Preislich geht’s ab rund 20 Euro los, sodass man vor allem ein Tablet recht schnell und unkompliziert in eine Konsole verwandeln kann. Vor allem, wenn man dieses über HDMI an einen großen Fernseher anschließt.

Leider nur für iPhone 5-Modelle, aber dafür mittlerweile günstig zu haben: Logitech Powershell. (Foto: Logitech)

Leider nur für iPhone 5-Modelle, aber dafür mittlerweile günstig zu haben: Logitech Powershell. (Foto: Logitech)

Leider schaffte es bisher kaum kein Unternehmen, ein plausibles und für Einsteiger attraktives Komplettpaket vorzustellen. Eine Ausnahme ist höchstens Activision Blizzard. Der Spielehersteller bietet passend zum hauseigenen „Skylanders: Trap Team“ ein Set an, um perfekte Konsolen-Atmsphäre aufs Tablet zu bringen. Das kostet zwar 50 Euro, ist allerdings prima für „Skylanders“-Fans geeignet, die so auch ohne eine Xbox oder PlayStation in den Genuss der beliebten Serie kommen.

Skylanders trifft auf Tablet - eine gute Sache. (Foto: Activision Blizzard)

Skylanders trifft auf Tablet – eine gute Sache. (Foto: Activision Blizzard)

Gescheiterte Experimente und Hoffnungsträger

Und da sind auch noch die guten Ideen, die 2014 nicht wirklich funktionierten. BigBen Interactive veröffentlichte mit dem GameTab-One eine Mischung aus Tablet und Ansteck-Controller. Leider versäumten es die Zubehör-Experten, Fehler auszubügeln und die Qualität des Produktes nach der Veröffentlichung zu verbessern. Ähnlich traurig sah es bei dem Snakebyte Vyper aus, obwohl der Ansatz großartig war: Hier erhielten Käufer ein 7-Zoll-Tablet, eine Fernbedienung mit Tastatur und eine Docking-Station für den Fernseher sowie optional einen Game-Controller. Eine Multimedia-Schaltzentrale und Android-Konsole sollte es werden. Die Realität sah wegen antiquierter Hardware, fehlerhafter Software und einem miserablen Support leider sehr ernüchternd aus. Ähnliches Schicksal ereilte M.O.J.O. von Mad Catz und der GameStick. Einige der genannten „Experimente“ kamen bereits in geringer Stückzahl Ende 2013 in den Handel, einen erfolgreichen Markteinstieg 2014 schaffte aber keiner.

Tolle Idee, schlecht umgesetzt: Snakebyte Vyper. (Foto: Snakebyte)

Tolle Idee, schlecht umgesetzt: Snakebyte Vyper. (Foto: Snakebyte)

Vielleicht waren diese Firmen nur etwas ihrer Zeit voraus? Denn mit dem Nexus Player präsentierte Google seine Antwort auf die ganzen unausgegorenen Produkte der Konkurrenz. Auch mit diesem kleinen Mediaplayer kann man spielen, dank Android-Basis steigt das Angebot an geeigneten Apps von Woche zu Woche. Schade nur, dass es der Nexus Player wohl erst 2015 in den hiesigen Handel schaffen wird. Etwas flotter war Mitbewerber Amazon mit dem Fire TV: Potente Hardware, dafür aber ein arg eingeschränktes Android ermöglichen mit dem zusätzlich erhältlichen Gamepad ein gutes Spielerlebnis. Nur hier ist die Anzahl an Spielen sehr gering. So oder so haben Google und Amazon den Preis niedrig angesetzt: Maximal 100 Euro für ihre Micro-Konsolen sollen Kunden bezahlen – zzgl. Controller, versteht sich.

Es geht auch noch günstiger

Vor allem Wenigspieler achten auf den Preis. Zu teuer darf ein Spielgerät nicht sein, vor allem wenn man es dann wenig nutzt. Umso besser, wenn der Gaming-Aspekt nebenbei abfällt. Beispielsweise beim Chromecast. Das 35 Euro günstige Zubehör dient seit 2014 in Deutschland in erster Linie dem Streamen von Inhalten vom Smartphone oder Tablet auf den Fernseher. Aber dank cleverer Entwickler steigt das Angebot an zerstreuenden Apps kontinuierlich. Ein Paradebeispiel für Spieletauglichkeit dürfte unter anderem Motion Tennis sein.

Kleiner Ausblick

Und wie geht es 2015 weiter? Es deutet sich einiges Richtung Android TV an. Das extra für HDTVs ausgelegte Betriebssystem ist Bestandteil des Nexus Players, weitere Hersteller haben ihre Alternativen schon angedeutet. Das auf Gaming-Zubehör spezialisierte Unternehmen Razer beispielsweise. Hoffen dürfen wir auch darauf, dass sich Standards durchsetzen und so das Spielen mit Controller auf Tablets und Smartphones unkomplizierter wird. Nicht ausgeschlossen ist, dass Apple endlich auf den Zug aufspringt und mit einem aktualisierten Apple TV-Modell endlich auch Spiele-Apps offeriert. Zumindest ist iOS seit Version 7 in der Lage, explizit Controller anzusprechen.

Man kann sich aber sicher sein: 2015 wird ein spannendes Jahr für Spieler und diejenigen, die eben ein klein wenig daddeln wollen, ohne zu tief in den Geldbeutel greifen zu müssen.

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