Elektroautos: Pro und Contra

Können Elektroautos die Welt retten – und geht es überhaupt darum? Drei Trendblog-Redakteure über die Vor- und Nachteile.

Elektroautos: Pro und Contra

Euer nächstes Auto könnte ein Elektroauto sein. Politik und Wirtschaft scheinen sich auf die BEVs (Elektroautos mit Batterie) als das nächste große Ding eingeschossen zu haben. Davon profitiert das Klima, findet Kay Nordenbrock. Das reicht nicht annähernd, um den Klimawandel und seine Folgen aufzuhalten, hält Jürgen Vielmeier dagegen. Und Daniel Wendorf sieht die künftige Regierung in der Pflicht.

Pro: Elektroautos sind die Zukunft

Elektroautos sind die Zukunft der Autoindustrie und das vollkommen zurecht. Die Vorteile liegen klar auf der Hand, sowohl für die Umwelt als auch für Nutzer. Habt ihr euch schon mal gefragt, warum ihr in großen Städten eine Umweltplakette braucht? Weil die Emissionen der Benziner die Luft dort enorm verschmutzen. E-Autos hingegen sind an ihrem Einsatzort komplett emissionsfrei. 

Geringer CO2-Fußabdruck eines Volkswagen ID.3? Grafik: Volkswagen
Geringer CO2-Fußabdruck eines Volkswagen ID.3? Grafik: Volkswagen

Das bedeutet, selbst in den größten Ballungsräumen würde es keinerlei Luftverschmutzung durch Autos geben, wären die Straßen nur mit elektrischen gefüllt. Dadurch können die Bewohner stets frische Luft atmen und ihre Lebensqualität stark steigern. Natürlich erzeugt die Produktion des benötigten Stroms Emissionen, aber die Kraftwerke stehen außerhalb stark bewohnter Gebiete. 

Das E-Auto ist demnach der erste Schritt in eine emissionsfreie Zukunft. Nachziehen müssen die Energiekonzerne, indem sie vermehrt auf umweltfreundliche Energiegewinnung wie Solarenergie oder Geothermie setzen, wo irgend möglich. Das Elektroauto ist nicht die alleinige Lösung für das Emissionsproblem – klar! Aber es trägt seinen Teil dazu bei. Im Falle von Tesla gibt es sogar schon einen Elektroautohersteller, der euch mit Solar Roof Sonnenenergie zu Hause produzieren lässt, die ihr in einer Powerwall-Batterie speichern könnt, um damit euer Elektroauto aufzuladen. Umweltfreundlicher wird es nicht!

Kay Nordenbrock, Trendblog-Redakteur

Contra: E-Autos? Retten die Welt nicht!

68 Prozent der Deutschen fahren nach wie vor mit dem Auto zur Arbeit. Und das verwundert nicht einmal in einer Zeit, in der die Bahn erst für teures Geld ins 21. Jahrhundert gebracht wird und Lokalpolitiker um jeden Meter Radschnellweg feilschen müssen. Nur eine Vermutung liegt nahe: Das Elektroauto wird daran nichts ändern. Was soll ich noch Rad fahren, mag sich der eine oder die andere denken – mein Beitrag zum Klimaschutz ist doch mein Tesla!

Tesla Cybertruck mit Solardach in Mitten einer Wüstenlandschaft: Ist das die Zukunft, die wir verdienen? Bild: Tesla
Tesla Cybertruck mit Solardach in Mitten einer Wüstenlandschaft: Ist das die Zukunft, die wir verdienen? Bild: Tesla

Dabei ist es im Hinblick auf den Klimawandel längst 5 nach 12. Das 1,5-Grad-Ziel ist nicht mehr zu erreichen, selbst das 2-Grad-Ziel werden wir laut dem neusten Weltklimabericht der IPCC wohl verpassen. Die Folgen dürften gigantische Naturkatastrophen, Flüchtlingsströme, Verlust von Lebensraum, ziemlich sicher auch Kriege sein. Und wir tun tatsächlich so, als wäre alles geritzt, nur wenn wir auf sauberere Autos umsteigen?

So nicht, Freunde! Kauft euch ein Elektroauto, um euren alten Stinker zu ersetzen, weil ihr gerne moderne Technik mögt oder auch um den Standort Deutschland zu stärken. Aber nicht um die Welt zu retten! Denn da ist das E-Auto höchstens ein Tropfen auf den glühenden Stein. Da müssen drastischere Maßnahmen her, von Politik, Wirtschaft aber vor allem von uns Konsument*innen!

Jürgen Vielmeier, Trendblog-Redaktionsleiter

Neutral: Der Bund muss mehr tun!

Zum ersten echten Autorennen 1894 fand sich ein illustres Starterfeld ein: Mit Dampf, Gas oder Benzin betriebene Fahrzeuge gehörten zum Teilnehmerfeld. Ebenso Wagen mit Pressluft- und Elektroantrieb. Aus dieser bunten Technik-Vielfalt sind über 125 Jahre später Verbrenner und E-Auto übrig geblieben. Allerdings sind Benziner und Diesel zu Ende entwickelt. Potenzial nach oben gibt es nicht mehr, weshalb die Einschätzung, sie würden dem Klima schädigen, auch nicht durch eine herbeifantasierte, ingenieurtechnische Wunderleistung umzukehren ist.

Elektroauto VW ID.3
Elektroauto VW ID.3

Das E-Auto spielte erst vor 30 Jahren wieder eine kleine, in den letzten Jahren zunehmend größere Rolle. Und je nachdem, welcher Strom in den Akku fließt, könnte es den Verbrennern die Stirn bieten und dem Klima zuträglich sein. Dazu gehört aber auch, die Infrastruktur auszubauen, die erneuerbaren Energien zu stärken und Kaufanreize für bezahlbare Elektromobile zu setzen. Für die Städter lohnt sich dann der Erwerb.

Und jene, die auf dem Land wohnen? Sollten schnellstmöglich auf E-Fuels oder Wasserstofffahrzeuge umsteigen können. Das sind Aufgaben der kommenden Bundesregierung. Und mit Blick auf die Klimaentwicklungen ist zu hoffen, dass sie sinnvolle Instrumente zum Gegensteuern findet.

Daniel Wendorf, Trendblog-Redakteur

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2 Kommentare zu “Elektroautos: Pro und Contra

  1. Ich meine das bei der Herstellung der Batterien mehr die Umwelt zerstört wird als es ein Verbrenner macht. Und wie die Batterien entsorgt werden ist auch noch nicht geregelt.

    1. Hallo Jochen,

      was die seltenen Erden und den Energieverbrauch bei der Auto-Produktion angeht, ist beim E-Auto sicher noch Luft nach oben. Das würde aber auch für den Verbrenner gelten, dessen Cobalt-Anteil signifikant höher liegt als beim elektrifizierten Auto: Kurbelwellen, Pleuelstangen, Nockenwellen, Ventilsitzringen und Katalysatoren sind damit gehärtet. Beim Lithtium-Abbau (auch ein Kritikpunkt) gibt es spannende Alternativen. Die Hersteller haben das also auf dem Schirm.

      Was die Entsorgung der Batterien angeht, sind die Hersteller auf einem spannenden neuen Pfad unterwegs: Zweitverwertung. Renault zum Beispiel verwendet die ausrangierten Batterien einfach weiter, um damit Hilfsspeicherwerke aufzubauen. Da die bisherigen E-Auto-Akkus auch recht simpel aufgebaut sind, lassen sich viele der Ressourcen darin wiedergewinnen, gehen also nicht verloren.

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