Autopilot: Wann fahren unsere Autos von selbst?

Der Autopilot ist nur die erste Stufe des autonomen Fahrens. Viele Autohersteller arbeiten daran, ihre Fahrzeuge von ganz allein fahren zu lassen. Doch wann können wir die ersten autonomen Autos eigentlich erwarten?

Schon seit einigen Jahren fasziniert mich die Idee von selbstfahrenden Autos. Ich setze mich hinein, das Auto liest meinen Terminkalender und bringt mich vollkommen selbstständig zum gewünschten Ort. Dort angekommen, steige ich vor dem Eingang aus, und mein Auto sucht sich einen Parkplatz. Nach dem Termin stelle ich mich an den Ausgang und lasse mein Auto per App zu mir kommen, um mich wieder nach Hause in mein Home Office zu bringen.

So oder so ähnlich stelle ich mir das Leben mit einem selbstfahrenden Fahrzeug vor. Tatsächlich sind einige der beschriebenen Features schon Realität. Auf vollkommen autonomes Fahren müssen wir leider noch etwas warten. Wahrscheinlich aber gar nicht mehr so lange, wie viele vermuten.

Übersicht: Level der Automatisierung

In der Autoindustrie werden die Fähigkeiten von selbstfahrenden Autos in fünf verschiedenen Leveln bemessen. So ist es einfacher zu unterscheiden, in welchem Stadium sich ein Fahrzeug befindet, und Branchenkenner wissen sofort womit sie es zu tun haben. Zum besseren Verständnis eine kleine Übersicht der Level:

  • Level 0: Keine Automatisierung
  • Level 1: Semi-automatisiert, zum Beispiel ein Tempomat
  • Level 2: Semi-automatisiert. Das Auto kann selbstständig lenken, beschleunigen und bremsen
  • Level 3: Primäre Fahrfunktionen sind in einigen Umständen automatisiert
  • Level 4: Primäre Fahrfunktionen sind in den meisten Umständen automatisiert
  • Level 5: Primäre Fahrfunktionen sind in allen Umständen automatisiert

Momentan haben die meisten Fahrzeuge, die mit einem Autopiloten werben, eine Level-2-Automatisierung. Das Ziel der Autohersteller ist es selbstverständlich, die Level-5-Automatisierung zu erreichen.

Wie selbstständig sind unsere Autos schon?

Vor allem der Elektroauto-Hersteller Tesla wirbt fleißig mit seinem Autopilot-Feature. Der Name könnte vermuten lassen, dass es sich hierbei um selbstfahrende Fahrzeuge handelt. Das ist aber nicht ganz richtig. Der Tesla-Autopilot ist ein semi-autonomes System, welches selbstständig beschleunigen, bremsen und Spuren wechseln kann. Dabei muss der Fahrer dem Auto aber zu jeder Zeit seine volle Aufmerksamkeit schenken.

Fahren wir bald ohne Hände am Steuer?

Dazu kommen Features, die Autofahrern das Leben ein wenig einfacher machen, wie die Herbeirufen-Funktion, mit der das Auto vom Parkplatz an eure Position gefahren kommt. Auch das automatische Einparken ist schon lange keine Zukunftsmusik mehr. Viele Autos können sich voll automatisch in die vorgegebene Parklücke navigieren.

Für mich persönlich reicht das aber noch nicht als Verkaufsargument. Auch wenn das Feature gerade längere Strecken auf der Autobahn angenehmer macht und es sich schon ein wenig nach Zukunft anfühlt, bekommen wir die wichtigsten Vorteile nur mit Level-5-Fahrzeugen.

Rennen der Robotaxis: China gibt automatisch Gas

Selbstfahrende Autos eröffnen neue Märkte und damit auch neue Möglichkeiten. Ein Markt, den momentan viele Unternehmen erschließen möchten, ist der der Robotaxis. Das sind Taxis, die den Kunden selbstständig abholen und zu ihrem Ziel bringen. Im Idealfall mit einer Level-5-Autonomie.

In China gibt es mehrere Start-Ups und etablierte Unternehmen, die genau diesen Markt als erste erschließen wollen. Für die chinesische Suchmaschine Baidu ist bereits seit September 2019 eine Flotte von insgesamt 45 Robotaxis auf den Straßen der Stadt Changsha unterwegs. Auch das Start-Up AutoX hat mit seinen Robotaxis bereits mehr als 100.000 Stunden in 12 Städten auf den Straßen verbracht, um Daten zu sammeln.

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Ein kleines Auto mit großen Ambitionen. Quelle: Baidu

Dazu kommt das Unternehmen WeRide aus Guangzhou, welches bereits mehr als 8.000 Fahrten mit über 4.500 Passagieren absolviert hat. All die gesammelten Daten werden dafür genutzt die Fahrzeuge zu verbessern, um so schnellstmöglich Level-5-Autonomie zu erreichen und einer der Ersten am Markt zu sein.

Auch die chinesische Regierung ist an der Entwicklung der Technologie interessiert. Diese hat im Februar eine Blaupause für die Entwicklung intelligenter Fahrzeuge veröffentlicht. Ziel dieser Blaupause ist die Produktion und Vermarktung von autonomen Fahrzeugen bis 2025.

Auch die USA baut Roboterfahrer

Auch der Tech-Gigant Google möchte sich die Chance nicht nehmen lassen als erstes Unternehmen ein autonomes System für Fahrzeuge zu entwickeln. Bereits 2009 hat das Unternehmen das sogenannte Google Self-Driving-Project ins Leben gerufen. Im Dezember 2016 wurde aus dem Projekt dann ein eigenständiges Unternehmen namens Waymo.

Waymo hat mit rund 600 autonomen Fahrzeugen wahrscheinlich eine der größten Flotten weltweit und bietet seit 2019 Fahrten komplett ohne Sicherheitsfahrer für einige ausgewählte Tester an. Nicht auf einer abgesperrten Strecke, sondern im öffentlichen Straßenverkehr. Techcrunch-Videoreporter berichten im November 2019 von einer Fahrt in einem Waymo-Taxi:

Nutzer können sich mit der Waymo-One-App ein selbstfahrendes Auto der Flotte herbeirufen, das sie anschließend zum gewünschten Ziel bringt. Die meisten Autos der Waymo-Flotte haben allerdings noch einen Sicherheits-Fahrer an Bord. Insgesamt hat Waymo schon mehr als 10 Millionen Meilen auf echten Straßen und 10 Milliarden Meilen auf simulierten Straßen mit Autos der Flotte absolviert. Trotzdem gibt es noch viel zu lernen.

Da Waymos Flotte unter den meisten Umständen ohne Eingriffe des Fahrers agieren kann, dürfte sie sich zwischen Level 3 und 4 auf der Automatisierungs-Skala befinden.

Tesla Robotaxis sind ebenfalls unterwegs

Das gleiche Konzept hat Tesla-CEO Elon Musk im Sinn. In einem Tweet spricht er davon, dass die eigene Robotaxi-Flotte technisch so weit sei und es nur noch an der behördlichen Zulassung hapere. Mehr Details gab er aber erst einmal nicht preis. Etwa, ob die Taxis wirklich schon vollautonom auf den Straßen rollen könnten.

Pony.ai agiert in den USA und China

Das Start-Up Pony.ai wurde von ehemaligen Baidu- und Google-Ingenieuren gegründet und hat erst kürzlich eine Finanzspritze von rund 400 Millionen US-Dollar vom Japanische Autohersteller Toyota erhalten. Damit wird das Unternehmen auf einen Wert von rund 3 Milliarden US-Dollar geschätzt.

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Die Autos von Pony.ai stehen bereit. Quelle: Pony.ai

Die Robotaxi-Flotte von Pony.ai ist über 100 Fahrzeuge groß und absolviert Fahrten in Peking und Guangzhou in China, sowie im Silicon Valley und in Irvine in den USA. Aufgrund der Corona-Pandemie nutzt das Unternehmen seine Fahrzeuge in Irvine momentan dazu, Lebensmittel an die Bewohner auszuliefern. Der Sicherheits-Fahrer bringt die Lieferungen schließlich zur Tür.

Die Hürden auf dem Weg zum fahrerlosen Auto

Waymo berichtet von einigen Hürden, die selbstfahrende Autos meistern mussten, die uns Menschen selbstverständlich erscheinen. So muss die Software eines selbstfahrenden Autos von allein wissen, wann es für Notfall-Fahrzeuge wie Feuerwehr oder Krankenwagen rechts ranfahren muss. Dafür muss das Auto sie optisch und akustisch erkennen und ein Protokoll abrufen, mit dem es korrekt reagiert. Rettungskräfte müssen im Notfall die Kontrolle über das Auto übernehmen können. Um diese Sicherheitsanforderungen umzusetzen, hat Waymo mit lokalen Behörden im Testgebiet zusammengearbeitet.

Auch das User-Interface der Software muss in komplett fahrerlosen Fahrzeugen angepasst sein. Die Passagiere können es schließlich keinem Fahrer mitteilen, wohin sie möchten, oder wenn sie ihre Pläne kurzfristig ändern. Das muss alles per Eingabe via App oder Sprache über die Software im Auto erledigt werden.

Technische Probleme

Die künstliche Intelligenz zusammen mit den Sensoren gilt in vielen Fahrsituationen bereits besser als menschliche Fahrer. Dazu gehört zum Beispiel die Spur zu halten oder Hindernisse zu vermeiden. Allerdings hat die KI nicht die Anpassungsfähigkeit oder Flexibilität eines menschlichen Fahrers.

Damit die künstliche Intelligenz die Feinheiten meistern kann, benötigt sie Input in Form von Daten und Erfahrungen auf der Straße. Das ist ein langer Prozess, der viele Fahrten, möglichst ohne Sicherheits-Fahrer benötigt, da einige dieser Probleme nur so ersichtlich werden.

Einsatzzwecke autonomer Fahrzeuge

Neben Robotaxis können autonome Fahrzeuge natürlich noch in anderen Bereichen Anwendung finden. Zum Beispiel im öffentlichen Nahverkehr, wo Busse die Menschen ganz ohne Fahrer auf ihrer Route transportieren. In Berlin zum Beispiel gibt es schon einige kleine Nahverkehrsbusse, die eine vorprogrammierte Strecke abfahren und Passagiere mitnehmen können. Sie erkennen Hindernisse und bremsen vor ihnen ab. Aus Sicherheitsgründen sind die kleinen Busse aber momentan mit nur höchstens 15 km/h unterwegs.

Auch Lastwagen könnten in Zukunft autonom fahren. Quelle: Tesla

Ein anderes Gebiet sind LKW. Diese können Güter selbstfahrend weitaus effizienter von A nach B transportieren, als menschliche Fahrer das tun. Allerdings ist es auch hier noch ein weiter Weg, bis die großen Transporter ihren Job autonom erledigen können.

Wann ist es denn jetzt soweit?

Viele Unternehmen arbeiten weltweit daran schnellstmöglich autonome Fahrzeuge zu entwickeln. Wann der große Durchbruch erfolgen wird, kann momentan aber niemand genau sagen. Elon Musk geht davon aus, dass seine Flotte bereits dieses Jahr einsatzbereit sein wird. Die chinesische Regierung will selbstfahrende Fahrzeuge bis spätestens 2025 in Masse produzieren und vermarkten. Der ADAC geht wiederum davon aus, dass wir autonome Autos ab 2040 vermehrt auf den Straßen sehen werden.

Die Einschätzungen liegen also relativ weit auseinander, was bei einer neuen Technologie absolut nicht ungewöhnlich ist. Ich persönlich wünsche mir Level 3- bis 5-Autos, also Fahrzeuge, die weitestgehend von selbst fahren, so früh wie möglich. Allerdings halte ich eine Massenproduktion noch in diesem Jahr für unwahrscheinlich. Ich denke, wir können im Jahr 2025 erste selbstfahrende Autos beim Autohändler unseres Vertrauens kaufen. Vielleicht auch schon etwas früher.

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