Einige der ersten Anwendungen für die Daydream View. Unter anderem gibt es ein Feature des Kinofilms "Fantastic Beasts and where to find them".

Virtual Reality mit Daydream: Google geht mit neuen Standalone-Brillen den richtigen Weg

Kein teurer Rechner in der Nähe, keine Kabel, aber große Flexibilität. Google deutete auf der eigenen Entwicklerkonferenz I/O Virtual-Reality-Headsets an, die weder einen PC, noch ein Smartphone benötigen. Ein spannender Blick in die Zukunft.

Mit Daydream präsentierte Google schon vor geraumer Zeit eine komfortable Lösung für aktuelle Top-Smartphones: In die VR-Brille Daydream View wird ein Mobiltelefon eingesetzt, schon kann das Abtauchen in fremde Welten beginnen – ganz im Stil von Samsungs Gear VR. Auf der Google I/O enthüllte der Konzern den nächsten Schritt: Standalone VR. Mit Unterstützung von HTC, Qualcomm und Lenovo entstehen VR-Headsets, die kein Handy und auch keinen PC verlangen. Ihr setzt nur die Apparatur auf, im Inneren befindet sich die nötige Technik.

Die Besonderheiten der künftigen Virtual Reality Brillen

Bisher gibt’s seitens der Beteiligten keine konkreten Produkte, sondern nur Ankündigungen. So entsteht in Zusammenarbeit mit Qualcomm ein Referenz-Headset, das es in sich haben dürfte: Im Inneren werkelt ein Qualcomm Snapdragon 835 Prozessor, einer der stärksten Chip-Lösungen im mobilen Bereich. Der bringt nicht nur die Inhalte auf die hochauflösenden Displays, sondern kümmert sich um das Inside-Out-Positional-Tracking. Das ist eine Technologie basierend auf Kameras und Sensoren, die den Gedanken von Google Tango fortführen. Oder anders ausgedrückt: Ihr könnt euch dank Inside-Out-Tracking in einem Raum frei bewegen, ohne dass in diesem zusätzliche Sensoren angebracht werden müssen. Das ist ein neuer Grad an Freiheit, den nicht einmal Oculus Rift und HTC Vive bieten. Denn die Vorzeige-VR-Brillen benötigen für dieses Feature externe Kameras, die um den Nutzer herum platziert werden.

Das Lenovo-Standalone-Headset. (Foto: Google)

Das Lenovo-Standalone-Headset. (Foto: Google)

Das neue Referenz-Headset dürfte auf dem Snapdragon 835 VRDK aufbauen, das Qualcomm bereits im Februar 2017 Entwicklern vorstellte. Google steuert das eigene Wissen bei, das man unter anderem mit Tango sammelte. Und nicht genug: Die neue WorldSense-Plattform, die Inside-Out-Tracking und das Erkennen der eigenen Position vereint, wird Bestandteil des Headsets und sehr viele Möglichkeiten zur Folge haben.

Das alles sollte nach wie vor auf das Betriebssystem Android basieren. Letztlich reden wir eh über Smartphone-Hardware aus der Luxusklasse in Kombination mit modernsten Sensoren und einer höchst spezialisierten Software.

HTC und Lenovo sind mit an Bord

HTC und Lenovo werden basierend auf dem Referenz-Headset Brillen mit der nächsten Daydream-Stufe in den Handel bringen. Und das finde ich persönlich besonders interessant: Erstgenanntes Unternehmen nutzt den Namen „Vive“ für dieses Gerät – ein Standalone-HTC Vive mit Daydream kommt also auf uns zu. Das dürfte sich zwar bezogen auf das Angebot an VR-Inhalten vom originalen HTC Vive unterscheiden (da PC-Software), andererseits zeigt es schon, dass HTC ebenfalls sehr bemüht ist, eine eigene Brille ohne Kabelei im Portfolio zu haben. Die kommenden Standalone-Daydream-Systeme werden mit einem Mini-Controller für die Steuerung ausgeliefert. Der wird sich vermutlich kaum von dem bereits erhältlichen unterscheiden.

So soll das Headset von HTC aussehen. (Foto: Google)

So soll das Headset von HTC aussehen. (Foto: Google)

Die Konkurrenz schläft (nicht)!

Und die Konkurrenz? Die war so gesehen schon schneller. Im Oktober 2016 zeigte Oculus VR mit seinem Project Santa Cruz ein kabelfreies Headset mit Inside-Out-Tracking, das auf der Oculus Rift basierte. Aber mehr als ein Prototyp ist das nach wie vor nicht nicht. Ähnlich sieht es bei Intel aus. Dort experimentiert man recht lange an Project Alloy, das technisch in eine ähnliche Richtung geht, aber als „Merged Reality“-Peripherie etabliert werden soll. Hier erhalten reale Objekte, beispielsweise ein Tisch oder ein Stuhl, virtuelle Funktionen. Aus der Wohnung wird eine Raumstation, aus der Terrasse ein kleines Urlaubsparadies mit Palmen. Das letzte Modell, das auf der CES 2017 Anfang 2017 vorgeführt wurde, war allerdings noch recht weit von einer Produktreife entfernt.

Anders sieht es bei Microsoft aus. Der Redmonder Riese möchte baldmöglichst mit Unterstützung diverser Hersteller, auch hier ist Lenovo mit von der Partie, Mixed-Reality-Brillen ab 300 US-Dollar veröffentlichen. Inside-Out-Sensoren sind vorhanden, auf „Strippen“ werden wir nicht verzichten können. Eher sind diese Headsets für Windows 10-PCs ein Versuch, VR und auch AR in den Massenmarkt zu drücken. Eine völlige Freiheit bieten diese jedoch nicht.

Meiner Auffassung nach könnten die Standalone-Brillen basierend auf Google Daydream dem etwas stockenden VR-Sektor einen gehörigen Aufwind bescheren. Auch, weil mit Qualcomm ein sehr kompetenter Partner gefunden wurde, der selbst seit geraumer Zeit an VR-Systemen werkelt und mit Snapdragon VR820 schon vor einem dreiviertel Jahr eine Apparatur am Start hatte. Mit der Kompetenz von Google, vor allem bei der Software, könnte uns da einiges erwarten. Wie Samsung mit seinem Gear VR-Gegenstück reagiert? Holt man sich weitere Partner ins Boot oder arbeitet man (noch) enger mit Oculus VR zusammen, um mitzuhalten? Wahrscheinlich. Und ich bin gespannt.

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