Was wurde aus Rock’n’Roll? Oder: Spotify, wir müssen reden!

Spätestens mit Apple Music ist Musicstreaming im Mainstream angekommen, während das Original Spotify die Wahl vieler Nutzer bleibt. Doch der Dienst droht sich zu verzetteln und langweilt mit den immer gleichen Musikvorschlägen.

Musikliebhaber mit Vorliebe für greifbare Scheiben mögen mich verteufeln, aber ich war von Anfang an begeisterter Fan vom Musikstreaming. (Fast) alle Titel, die ich will, so oft ich will für nur 10 Euro im Monat? Aber gerne doch! Ich habe damit fast unbegrenzte Auswahl, entdecke viel, viel Neues und spare auch noch Geld dabei.

Spotify: Der Charme des innovativen Startups

Auch wenn Apple und Google mittlerweile eigene Dienste ins Feld schicken, halte ich am Original fest: Spotify. Ich finde das Unternehmen nach wie vor sympathisch und ich mag, dass Spotify immer wieder etwas Neues ausprobiert.

Zum Beispiel mit einem vermeintlichen Killer-Feature namens „Dein Mix der Woche“. Schlaue Algorithmen lernen mich da persönlich kennen, durchforsten meine Musiksammlung, Playlists, Radiosteams und was ich sonst noch so mal angeschmissen habe. Und einmal die Woche erhalte ich damit einen ganz persönlichen Mix von Songs, die nur mir gefallen sollen.

Der persönliche Mix der Woche: Eine begehrte Zusatzfunktion von Diensten wie Spotify. Bild: Spotify

Der persönliche Mix der Woche: Eine begehrte Zusatzfunktion von Diensten wie Spotify. Bild: Spotify

Und so lernt man Dinge über sich selbst kennen. Zum Beispiel, dass meine favorisierte Musikrichtung eindeutig Indie-Rock ist. Ruhige melodische Musik mit „echten“ Instrumenten, um sie bei der Arbeit zu hören und danach ein wenig runterzukommen. Jüngst schlug mir Mein Mix der Woche etwa Songs von Bands wie Ex Cops, The Orwells oder Reuben And The Dark vor. Keine einzige davon war mir zuvor bekannt, einiges gefiel mir auch nicht über die Maßen. Aber unter den 30 Vorschlägen im Mix waren wie immer echte Volltreffer.

Was wurde aus Rock’n’Roll?

Und jetzt kommt das Problem: Es ist schön, aber es ist immer dasselbe. Ja, ich mag Indie Rock, aber ich mag das nicht jeden Tag und zu jeder Gelegenheit hören. Ich höre auch gerne mal Electro, Britpop, Alternative oder sogar Pop. Und vor allem gerne mal was Munteres. Indie-Rock tendiert oft dazu ein wenig, nun ja, melancholisch zu sein. Und ich will nicht behaupten, dass das auf die Stimmung schlägt, aber zum Abrocken ist mir bei meinem Mix selten zu Mute. Oder anders ausgedrückt: Wo ist guter alter Rock’n’Roll?

Den schlägt Spotify mir nicht vor. Und so entwickelt sich ein Teufelkreis. Ich bekomme Indie-Rock vorgeschlagen, höre also Indie-Rock, lege Playlists mit Indie-Rock an. Spotifys Algorithmen „denken“ sich: Aha, der mag Indie-Rock. Und so bekomme ich Woche für Woche wieder neuen Indie-Rock. Immer und immer wieder.

Deezer konkurriert mit Spotify auf Augenhöhe. Persönliche Mixe gibt es auch hier. Bild: Deezer

Deezer konkurriert mit Spotify auf Augenhöhe. Persönliche Mixe gibt es auch hier. Bild: Deezer

Ja und okay: Ich muss mich natürlich nicht auf den Mix der Woche verlassen. Wenn ich Rock hören will, dann kann ich auch in Spotifys Playlists stöbern. Aber da, ganz ehrlich, finde ich auch nur Altbekanntes: Hymnen zum Mitgröhlen, die besten Songs der Nullerjahre und – allen Ernstes – „Rockhymnen aus 40 Jahren Radiogeschichte – und das Beste von heute.“ Da kann ich ja gleich das Pennymarkt-Radio einschalten.

Algorithmen sind keine Musikkenner

Ich könnte mich selbst an ein paar Songs erinnern, zu denen ich mal getanzt habe. Aber wo sollen die herkommen? Alles, woran ich mich erinnere, ist ein gutes Jahrzehnt alt. Viel Neueres findet sich da nicht. Selbst Spotifys Playlist „Rock this – die besten Bands der Gegenwart. Punkt.“ bestehen aus mittlerweile uralten Bands wie Foo Fighters, 3 Doors Down, Muse, Offspring und Weezer. Ja, gibt es denn wirklich nichts Neues? What happened to Rock’n’Roll?

Und so bleibe ich hier ratlos zurück. Algorithmen scheinen nicht die Lösung zu sein. Aber wenn nicht, was ist es? Die Vorschläge meiner Freunde, die Spotify manchmal auch anzeigen, scheinen mir innovativer zu sein. Und ich erinnere mich an ein Interview, das ich vor vielen Jahren einmal mit einem Startup-Gründer führte. Das Startup hieß WahWah.fm und es erlaubte es dem Nutzer, in die Playlists reinzuhören, die Menschen in der Umgebung gerade hörten. Genial – und seit langem tot. WahWah.fm ging den Weg vieler kleiner Startups, wurde übernommen, füsiliert, nie wieder gesehen.

Die Idee kam einige Jahre zu früh – aber sie war gut. Vielleicht mag das doch noch jemand umsetzen – oder zur Not Algorithmen entwickeln, die mir schlicht mal wieder was Munteres vorschlagen. Muss doch möglich sein!

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