Was ist denn nun schon wieder los? Funktionär fordert bereits Nachfolgetechnik für DAB+

Das Digitalradio tut sich seit jeher schwer, den analogen terrestrischen Rundfunk UKW abzulösen, doch mit DAB+ schien endlich ein gemeinsamer Nenner gefunden zu sein. Nun grätscht ein Funktionär aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland NRW dazwischen und fordert eine neue Technik. Zu Recht?

Der erste Versuch scheiterte

Die Nachteile des UKW-Radios sind so weit bekannt: Häufige Störungen, oft Rauschen im Empfang, kurze Reichweite. Abhilfe soll seit 2004 das Digitalradio schaffen. Doch die erste Generation der Technik Digital Audio Broadcasting (DAB) floppte – auch weil die Umstellung fließend geschehen sollte. Anders als bei der Umstellung auf den digitalen TV-Empfang (DVB-T) gab es keinen Stichtag, an dem analogen Wellen abgeschaltet und nur noch digitale verfügbar gewesen wären. UKW und DAB laufen seit jeder parallel. Der qualitativ bessere Empfang von nur ein paar Sendern bundesweit war nur einigen hunderttausend Nutzern in Deutschland die teure Anschaffung eines DAB-Radios wert. Verständlich.

UKW-Empfänger schlicht zu weit verbreitet

Der zweite Versuch heißt DAB+ und soll eine bessere Empfangsqualität und noch mehr mögliche Sender bieten. Die Empfangsgeräte sind heute auch nicht mehr so teuer, moderne Geräte beherrschen sowohl das neue DAB+ als auch DAB und manchmal sogar zusätzlich noch UKW. Trotzdem rechnet man mit einer Verbreitung von nur rund vier bis fünf Millionen DAB+-fähigen Geräten in Deutschland – bei fast hundert mal so vielen UKW-Empfängern in Wohnzimmern, Küchen, Büros, Autos…

DAB+ bislang zu teuer für Privatradios

Und doch: Vier Millionen Geräte wären schon einmal ein Anfang – zumal in vielen Regionen bislang nur die Sender der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten über DAB+ verfügbar sind. Privatradios waren teilweise noch nicht zugelassen, und teilweise waren für sie das aufwändige Lizenzierungsverfahren und das teure Sendesignal schlicht nicht wirtschaftlich. Die Reichweite von DAB+-Multiplexen ist höher als die von UKW-Sendern, weswegen die Betreiber höhere Einspeisungsgelder fordern können – was gerade für Lokalradios nicht wirtschaftlich ist.

Schon wieder in eine neue Technik investieren?

Die Landesanstalt für Medien (LfM) in Nordrhein-Westfalen hat im vergangenen Sommer eine Bedarfsanfrage für DAB+ gestellt – und von Vertretern lokaler Sender eine Abfuhr erhalten. Jürgen Brautmeier, Direktor der LfM in Nordrhein-Westfalen, wünscht sich deswegen nun eine Nachfolgetechnik für DAB+. Aus Sicht des privaten Rundfunks klingt das beinahe verständlich.

Wer aber in den vergangenen Jahren gutes Geld in einen DAB+-Empfänger (und vielleicht vorher schon in einen DAB-Empfänger) investiert hat, dürfte jetzt aufstöhnen. Soll man sich etwa bald schon wieder ein neues Audiosystem kaufen? Und wenn ja, mit welcher Technik diesmal? Und bleibt die dann wieder nur einige Jahre gültig?

Internetradio Pure One Flow White. Können Kombiradios die Lösung sein? Bild: Pure

Internetradio Pure One Flow White. Können Kombiradios die Lösung sein? Bild: Pure

Eine heute schon gängige Alternative ist ein Internetradio. Sich online einen Stream zu angeln, ist leicht, das Ergebnis eine ausreichende Soundqualität. Und es gibt Empfangsempfänger dafür – oft sogar in Kombination mit einem DAB+-Tuner. Aber was ist unterwegs? Im Auto ist man in Zeiten noch nicht überallhin ausgebauter 4G-Netze und teurer Datentarife noch lange nicht dazu in der Lage, dauerhaft ein Internetradio zu verwenden. Abhilfe könnten irgendwann 5G-Netze schaffen, die man sogar noch für den direkten digitalen Radio-Empfang ausbauen könnte. Aber die sind nicht vor dem Jahr 2020 zu erwarten.

Fazit: DAB+ noch nicht aufgeben!

Hier scheint es dem Betrachter, dass eine Mischung aus gutem Willen und ein klein wenig extrinsischer Motivation die Lösung sein könnte. Würden sich Politik, Sender und Betreiber jetzt klar für DAB+ aussprechen und sogar einen Termin für das Ende des UKW-Radios festlegen, dann könnte eine Umstellung auch gelingen. Lokale und private Sender könnten mit finanziellen Anreizen zu DAB+ bewegt werden. Eine technische Lösung könnten in der Schweiz bereits erprobte lokale DAB+-Multiplexe sein. Hier wäre die Verbreitung eines lokalen Senders über DAB+ nicht teurer als über UKW.

Beitragsbild: Grundig

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