Bereits im Sommer 2022 stellte die Bluetooth Special Interest Group (Bluetooth SIG) die neue Bluetooth-Technologie Auracast als Bestandteil von Blueooth LE Audio vor. Jetzt, über zwei Jahre später, hat Auracast viele Smartphones, Kopfhörer und schnurlose Boxen erreicht. Und das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Die Grundidee ist hierbei stets: Sende selbst über Bluetooth ein Audio-Signal für andere Leute aus oder nutze solche „Broadcasts“ für dich. Klingt abstrakt? Ist es gar nicht mal.
Das Wichtigste in Kürze
Inhalt:
- Was ist Auracast?
- Beispiele für Auracast
- Nachteile von Auracast
- Welche Geräte bieten Auracast?
- Was bringt die Zukunft?
Was ist Auracast?
Auracast Broadcast Audio, so der komplette Name der Funktion, bietet dir die Möglichkeit, über Bluetooth einen bereits laufenden Audio-Stream zu teilen. Freunde in unmittelbarer Nähe haben so die Gelegenheit, genau das zu hören, was du zum Beispiel gerade auf deinem Smartphone abspielst.
Grob lässt sich Auracast mit einer Radioübertragung vergleichen: Ein Auracast-Sender strahlt das Signal über Bluetooth aus. Viele Empfänger sind in der Lage, dieses Signal abzuspielen.

Abhängig von der Sendeleistung und der Art der verwendeten Antennen ist Auracast fähig, Flächen bis rund 2.800 Quadratmeter abzudecken – das wäre ausreichend für viele interessante Anwendungsgebiete. Ansonsten sind übliche Sender, zum Beispiel Smartphones, in der Lage, bis zu 100 Meter entfernte Empfänger zu erreichen. Die maximal 400 Meter sind eher theoretische Angaben von Bluetooth SIG.
Bei Auracast greift das Konzept One-to-Many-Broadcasting: Tatsächlich existiert kein Limit bei der Anzahl der Empfänger. Die Empfangsgeräte müssen sich nicht 1:1 mit dem Sender Bluetooth-typisch koppeln, sondern sie nehmen an einem Broadcast teil – ggf. wie viele andere auch. Optional ist eine Verschlüsselung bzw. Vergabe eines Passworts möglich, sollte ein privater Broadcast vorgesehen sein.
Beispiele für Auracast
Dir fällt es schwer, dir Auracast vorzustellen? Ein paar konkrete Beispiele:
- Vorlesesaal in Schulen und Universitäten: Mittels eines (ausreichend starken) Auracast-Senders kann beispielsweise ein:e Dozent:in in einem großen Vorlesesaal alle Schüler:innen oder Student:innen mit Bluetooth-fähigen Kopfhörern erreichen. Lautsprecher im Saal sind so nicht mehr nötig.
- Öffentliche Durchsagen: An Flughäfen, Bahnhöfen oder gar in Einkaufszentren können wichtige Durchsagen direkt an Bluetooth-Kopfhörer bzw. Auracast-geeignete Empfänger gesendet werden. Zum Beispiel bei Notfällen oder ausgefallenen Flügen.
- Kinos: Setze Kopfhörer auf und genieße einen Film in einer anderen Sprache und mit individueller Lautstärke. Das wäre für alle Besucher:innen des Kinos möglich.
- Silent Disco: Auch hier – Kopfhörer auf! Tanze mit anderen Leuten zur selben Musik, ohne dass etwas zu hören ist. Solche Silent Partys gibt es schon länger, aber bisher musstest du dir dafür vom Veranstalter einen eigenen Kopfhörer ausleihen. Mit Auracast wäre es möglich, dass du deine eigenen verwendest.
- Gemeinsam Musik hören: Teile Musik mit Freunden und synchronisiere passend dazu die Lautsprecher. So entstehen u.a. dynamische Playlisten, bei denen alle mitbestimmen können.
- TV mit unterschiedlichen Lautstärken schauen: Wenn du gerne leise TV schaust, dein Mitsitzer auf dem Sofa es aber lauter mag, lässt sich das Problem mit Auracast lösen: Entweder, ihr nutzt beide Kopfhörer oder einer hört über die TV-Lautsprecher, der andere über Kopfhörer in seiner favorisierten Lautstärke.
- Multi-Speaker: Von einem Smartphone kannst du Musik zu zwei oder mehreren Lautsprechern übertragen. Wandle zwei Speaker in einem Stereo-Lautsprecher oder sorge für Entertainment in einem großen Raum mit vielen kleinen Lautsprechern.
- Für Menschen mit Behinderungen: Mit einem geeigneten Hörgerät können schwerhörige Menschen besser über Durchsagen informiert werden. Aber auch wer blind ist, könnte z.B. an Ampeln besser verständliche, akustische Signale erhalten.
Letztlich sind das nur exemplarische Beispiele, die andeuten: Auracast bietet viel Potenzial für praktische und unterhaltsame Verwendungszwecke. Zugleich ist sicherlich auch klar: Sowohl Sender als auch Empfänger müssen Auracast beherrschen.
Nachteile von Auracast
Alles schön und gut, aber Auracast hat auch Nachteile:
- Latenz: Zwar wird die Verzögerung zwischen 20 und 80 Millisekunden angegeben, was zum Beispiel fürs Teilen von Musik oder für öffentliche Durchsagen vollkommen genügt. Doch bei Live-Präsentationen oder Lippen-Synchronität könnte es schwieriger werden.
- Neue Hardware: Unter Umständen benötigst du neue Hardware, um Auracast verwenden zu können. Das ist mit weiteren Kosten verbunden.
- Störanfällig: Letztlich kommt der Standard Bluetooth zum Einsatz, der natürlich störanfällig ist oder bei dem sich durch Hindernisse wie Wände eine kürzere Maximalreichweite ergibt.
- Nicht barrierefrei: Auracast ist im Grunde nicht barrierefrei, weil die Verwendung derzeit noch etwas komplizierter ist und neue Geräte voraussetzt. Doch das könnte sich perspektivisch ändern.
Welche Geräte bieten Auracast?
Obwohl die Bluetooth Special Interest Group Auracast im Rahmen von Bluetooth LE Audio bzw. Bluetooth 5.2 bereits im Jahr 2020 vorstellte, so folgte die Markteinführung erst zwei Jahre später. Seit 2024 ist die Funktion zunehmend ein Thema und verbreitet sich fortlaufend. Wichtig zu wissen: Auch wenn deine Kopfhörer und dein Mobiltelefon über Bluetooth LE Audio bzw. Bluetooth 5.2 verfügen, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass sie wirklich Auracast unterstützen. Es empfiehlt sich daher, ggf. den Hersteller zu konsultieren.

Unter anderem unterstützten folgende Geräte Auracast:
- Samsung Galaxy-Serie mit mindestens One UI 6.1 und Bluetooth 5.2, zum Beispiel Samsung Galaxy S23, S24, S25 sowie die Z-Reihe der letzten zwei Jahre, Galaxy A54, A55, A56
- Samsung-Kopfhörer wie Galaxy Buds2 Pro, Galaxy Buds3, Galaxy Buds3 Pro
- Google Pixel-Reihe ab Pixel 7
- Diverse Speaker von JBL, darunter JBL Xtreme 4, JBL Clip 5 und JBL Go 4
- Kopfhörer von Jabra, unter anderem Jabra Elite 8 und Elite 10
- Kopfhörer von Sony, speziell WF-1000XM5
Eine (nicht ganz aktuelle) Liste findest du direkt auf der Bluetooth-Webseite. Dank dieser erfährst du auch: Einige Geräte sind zum Senden und Empfangen geeignet, andere dagegen nur zum Empfangen. Zum Beispiel das Samsung Galaxy A55 oder das Z Flip 4.
Was bringt die Zukunft?
Du kannst davon ausgehen, dass sich Auracast weiter verbreitet und von vielen Herstellern genutzt wird. Vor allem profitieren TV-Geräte, Kopfhörer, Smartphones, Tablets und mobile Lautsprecher von diesem Feature.

Generell bietet Android 15 von Haus aus eine bessere Auracast-Unterstützung, sofern Smartphone-Hersteller dies nutzen wollen. Einzig Apple zeigt sich hier noch sehr zurückhaltend, der iPhone-Konzern nannte bisher keine konkreten Pläne für eine Unterstützung des Standards. Wir gehen aber davon aus, dass dies nur eine Frage der Zeit ist. Denn: Die Vorteile überwiegen und können schon jetzt viel Spaß bereiten: Vor allem bei Lautsprechern zeigt Auracast, was in der Technologie steckt.