Voltra: Die vielleicht perfekte Antwort auf Spotify und iTunes kommt spät

Voltra ist ein neuer Musikstreaming-Service mit einem besonders fairen Angebot für Künstler und Nutzer. 100 Prozent der Einnahmen sollen an die Musiker gehen. Aber ohne Zugpferde und gutes Marketing dürfte der Dienst Spotify oder Apple Music nicht ersetzen können. Das muss er aber auch nicht.

Voltra ist ein neuer Online-Musikdienst (aktuell noch in der geschlossenen Beta), der ein besonders faires Bezahlmodell auslobt. 100 Prozent der Einnahmen sollen an die Künstler gehen. Kein Zwischenhändler kassiert mit, auch Voltra selbst nicht. Besonders interessant klingt eine Funktion namens „Stream to own“: Das erste Mal, das man einen neuen Song hört, ist kostenlos. Danach zahlt man einen kleinen Betrag für jedes Abspielen – bis man den Song zehnmal gehört hat. Dann geht er in den Besitz des Nutzers über und es fallen keine weiteren Kosten an.

Voltra Stream to Own: Einmal gratis hören, dann erst zahlen. Beim zehnten Mal gehört einem der Song.

Voltra Stream to Own: Einmal gratis hören, dann erst zahlen. Beim zehnten Mal gehört einem der Song.

Voltra klingt also wie die faire Antwort auf Spotify oder iTunes. Statt Cent-Beträge für jeden Stream haben Künstler die Chance, mehr Geld zu verdienen. Laut Voltra bis zu 100 Mal mehr. Statt 30-Sekunden-Vorschauen wie bei iTunes kann man in jeden Song kostenlos einmal reinhören, über die ganze Länge.

Der Voltra-Premium-Service ist attraktiv – und notwendig

Voltra selbst finanziert sich über einen Premium-Service, sprich: ein Freemium-Modell. Für 10 US-Dollar im Monat erhält ein Nutzer 128 GB Cloud-Speicher und kann die Musik überall und auch offline hören. Allerdings ist hier noch keine Musik inbegriffen. Streamt man die Musik nur online, zahlt man nur für Streams und Käufe. Der Premium-Service allerdings klingt nicht nur bequemer, sondern fast schon notwendig: Nur so kann man die Musik auch offline unterwegs hören. Apps sollen für alle gängigen Systeme verfügbar sein: Android, iOS, Windows (Mobile), macOS und Linux.

Der Voltra-Player

Der Voltra-Player

Voltra sieht chic aus und erinnert mich aus irgendeinem Grund an Wire, eine ebenso elegante wie vielseitige und doch bislang wenig bekannte Alternative zu WhatsApp. Sollten die Anbieter aus Amsterdam und New York es schaffen, eine große Aufmerksamkeit zu erzeugen, dann könnte ihr Dienst eine Ergänzung zu Spotify oder Apple Music werden. Es birgt in sich den Kern, um Musikkäufe per Download (das iTunes-Modell) wirklich zu verbessern und abzuschaffen.

44 Prozent der Deutschen nutzen Musikstreaming-Abos

Allerdings, und hier liegt der Hase im Pfeffer: Musikdownloads sind ohnehin ein wackeliges Geschäft geworden. Monatsabos, genannt Streaming, greifen selbst dieses vergleichsweise junge Angebot an. Eine aktuelle Studie des Hightechverbands Bitkom ergab, dass stolze 44 Prozent der deutschen Internetnutzer ab 14 Jahren mittlerweile Dienste wie Spotify, Deezer oder Apple Music nutzen. Tendenz: stark steigend. Diese Dienste kosten meist 10 Euro im Monat und bieten Zugang zu so viel Musik, Hörbüchern, Hörspielen und manchmal auch eigenen Radioshows, wie ein Nutzer hören möchte.

Zwar können Künstler mit Streaming-Abos eher wenig verdienen (zumal die Industrie kräftig mit kassiert), aber für Nutzer sind diese Dienste erschreckend bequem. Wer dagegen anstinken möchte, müsste nicht nur ähnlich komfortabel sein, sondern dürfte auch nicht mehr kosten. Das würde Voltra aber im Endeffekt schon, wenn man zusätzlich zu den 10 Euro im Monat noch Geld für Alben und Einzelsongs obendrauf legen muss. Streaming-Dienste wird man damit nicht abschaffen.

Und doch sehe ich in Voltra eine der interessantesten Neuentwicklungen im Markt der Online-Musik seit Jahren. Der Dienst hat die Chance, sich als unabhängige Ergänzung zu Spotify und Co. zu etablieren und vielleicht eines Tages sogar mehr zu sein. Ich bin sehr gespannt!

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