Rock’n’Roll war tot, dann kam DAB+

Rock’n’Roll war mausetot – und dann kam DAB+ und hat es wiederbelebt. Lässt sich das so einfach zusammenfassen? Schon!

Rock’n’Roll war tot, dann kam DAB+
Dass wir das noch erleben dürfen: Rock im Radio. (Bild: Jürgen Vielmeier)

Kürzlich musste ich aus Gründen zweimal auf einen regionalen Carsharing-Anbieter ausweichen. Und es mag Zufall sein, dass beide Male Rockmusik lief, als sich direkt das DAB+-Radio einschaltete:

  • Sammy Hagar’s Top Rock Countdown auf Radio Bob während meiner ersten Fahrt.
  • Black Sabbath auf der Rückfahrt (Ozzy!)
  • „You really got me“ von The Kinks auf Oldie Antenne bei meiner zweiten Buchung.
  • Vobeat mit dem 2025er-Hit „Time will Heal“ auf Radio 21 auf der Rückfahrt und direkt im Anschluss…
  • „November Rain“ (!) von Guns N’Roses

Meine beste Zeit im Auto seit langem.

Als großer Rock-Fan (Jugend mit Grunge, Alternative und kurze Metal-Phase in den 90ern) hatte ich unter UKW eigentlich längst aufgegeben, da noch einmal fündig zu werden. Hier in NRW konntest du skippen, wie du wolltest, jahrelang lief und läuft auf beinahe allen Sendern dasselbe: „Die größten Hits der 80er, 90er und das Beste von heute – nur hier“, also überall. Selbst 1live, der einst so alternative junge Sender vom WDR, hatte sich irgendwann gefügt und das Spiel mitgespielt.

Wie sagte mal jemand auf Twitter, als das noch so hieß: „Habe einen Nachmittag Radio gehört, kenne jetzt alle fünf Songs“.

Musikredakteure sind nicht zu doof, sie können nicht anders

„Hey hey, my my, Rock’n’Roll can never die“, sang Neil Young noch in den späten 1970ern. Ich wollte, er hätte recht behalten, aber zumindest im Radio war Rock’n’Roll lange Jahre mausetot. Kaum noch Airtime, und wenn, dann die alten Stücke der alten Bands, so gut wie keine neuen Acts mehr.

Die Gründe, warum auf allen Sendern gefühlt nur noch derselbe Popkram lief, aber kein Rock, sind komplex. Der Journalist Daniel Fiene hat das in seinem Blog einmal schön aufgedröselt und sich da mit gängigen Vorurteilen befasst. Die meisten Musikredaktionen forschen dabei mehrmals im Monat bei ihren Hörern nach und bilden in der Musikauswahl das ab, was die Mehrheit hören möchte. Und das ist etwas anderes als noch vor zwanzig oder dreißig Jahren – klar.

Und wenn die Sender sich dem entgegenstellen und nur noch das spielen, was sie wollen? Dann wären sie im Nullkommanichts ihre gute Marktposition los, würden insgesamt Hörer und damit auch Werbegelder verlieren, auf die sie angewiesen sind.

Radio Bob
Radio Bob ist einer von mehreren Rocksendern, die über DAB+ empfangbar sind. (Screenshot)

Das Problem ist also etwas anders gelagert. Die Musikredaktionen sind nicht zu doof, gute Musik auszuwählen, sie sind einem wirtschaftlichen Zwang unterlegen.

Trotzdem: Wenn sich alle Sender nur am Mainstream orientieren, kann das nicht funktionieren. Dann läuft auf allen Sendern wirklich nur noch dasselbe und der Einheitsbrei wird unerträglich. So wie in den letzten Jahren hier der Fall.

Durch DAB+ mehr Sender und damit auch Spartenkanäle

Vom Gefühl her setzte während Corona dann eine leichte Trendwende ein. Schon 2022, als ich bei Rock am Ring war, hatte ich das Gefühl, dass die Leute endlich mal wieder echte Musik spüren wollten. Und das bedeutete dort hauptsächlich Rockmusik, auch wenn es dort auch eine Hiphop- und Elektrobühne gab. Ein Jahr zuvor hatte die italienische Alternative-Rockband Måneskin mit einer tollen Performance und dem Rocksong „Zitti e buoni“ den Eurovision Song Contest gewonnen.

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Während UKW in Autoradios langsam ausstirbt und ich das irgendwo auch schade finde, gab und gibt es unter UKW in meiner Gegend aber keinen einzigen Rocksender. Fahre ich mit dem Auto etwas weiter gen Süden, taucht auf UKW wenigstens irgendwann in Rheinland-Pfalz Rockland Radio auf. Das war’s dann aber auch.

Ich hatte mich schon damit abgefunden, lieber Inforadio zu hören. WDR5 und DLF sind mit ihren Sendungen und Podcast-Formaten auch wahrlich zu empfehlen. Aber manchmal muss es eben Musik sein.

Die Lösung musste also erst eine neue Technik bringen: DAB+, das Digitalradio, das nach und nach den UKW-Funk ersetzen soll. Die Technik ist nicht unumstritten und die Versorgung gerade auf dem Land noch mies.

Aber unter DAB+ hat tatsächlich die Vielfalt wieder zugenommen. Und das liegt an der schlichten Tatsache, dass auf den DAB+-Multiplexen mehr Sender zu empfangen sind. Weil einige dieser Privatsender auch überregional empfangbar sind, lohnt sich für sie das Geschäft eher, es auch mal mit einem Spartensender zu versuchen. Und so finde ich über verschiedene Multiplexe in meiner Gegend auch allerhand Special Interest, zum Beispiel auch Oldies, Volksmusik, Beat, erstaunlich viel 80er, Ballermann-Hits oder eben auch Rock.

Es gibt auf DAB+ nun Rocksender wie:

  • Rock Antenne
  • Radio 21
  • Star FM
  • Radio Bob
  • Oldie Antenne (denn viele Rocksongs sind schon sehr alt, klar)
  • Rock FM
  • Rockland Radio

Empfangbare Sender an einem Standort:

UKWDAB+
ca. 20ca. 60-90

Die höhere Vielfalt hat zumindest für mich auch einen schönen Nebeneffekt: Ich höre jetzt viel lieber wieder Radio. Und es muss nicht immer nur Rock sein. Wenn die Vielfalt da ist, bin ich eher mal geneigt, auch mal bei einem Popsender reinzuhören, wenn ich Rock über habe.

Also zusammengefasst: Ja, es war Zufall, dass ich auf gleich zwei Fahrten mit Rockmusik begrüßt wurde. Aber die höhere Sendervielfalt unter DAB+ hat diesen Zufall erst möglich gemacht.

Würde sagen: Es kann sich lohnen, auf ein DAB+-Radio umzusteigen.

Und Rock’n’Roll ist wieder da. Ein bisschen. Und das ist mehr, als ich vor einigen Jahren noch zu hoffen gewagt hätte.

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3 Kommentare zu “Rock’n’Roll war tot, dann kam DAB+

  1. Mit Rock Antenne (Mecklenburg), Radio 21 (Niedersachen) und Rockland auf UKW auch schon so einige Kilometer „überlebt“. Aber früher oder später hört jeder Musikinteressierte bytefm. In Hamburg und Berlin on air, sonst aus dem Netz oder der Konserve.

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