Warum einen Plattenspieler wie den Pro-ject T1 Evo BT, wenn es doch Musikstreaming-Dienste wie Apple Music, Spotify und Co. gibt? Diese mögen ungeschlagen praktisch und bequem sein, trotzdem übt Vinyl einen ungebrochenen Reiz aus, der alle Convenience-Argumente restlos hinwegfegt wie ein neues Reinigungsteam im Reinstraum.
Vor allem natürlich, weil es etwas ganz anderes ist, Musik auf diese Art zu hören. Auf Vinyl gepresst und durch einen Plattenspieler zum Leben erweckt, tritt sie aus dem Hintergrund hervor und metamorphisiert von einer Neben- zu einer Hauptsache. Musikhören wird zu einer aktiven, bewussten Tätigkeit, der du deine ganze Aufmerksamkeit schenken kannst, statt sie auf einen Klangteppich zur Produktivitätssteigerung oder Überbrückung von Gesprächspausen zu reduzieren.
Bei EURONICS kaufen
Und wenn du schon einmal einen Internet-Ausfall durchlitten hast, weißt du das Gefühl der Autarkie, das dir deine Plattensammlung bietet, noch mehr zu schätzen. Strom kannst du ja notfalls selbst mit einer Powerstation vorrätig halten.
Das Testgerät: Pro-ject Evo T1 BT
Mein Testgerät, der Pro-ject Evo T1 BT, bietet gerade Einsteiger:innen eine ausgewogene Kombination von Minimalismus und Fähigkeiten. Während der T1 Evo Standard einen geeigneten Verstärker mit dazugehörigen Boxen erfordert, verfügt der T1 Evo Phono bereits über einen integrierten Phono-Vorverstärker. Beim Pro-ject T1 Evo BT kommt dann noch die Fähigkeit dazu, über Bluetooth 5.0 Musik mit aptX HD kabellos zu streamen. Ideal, wenn es sich um einen Haushalt handelt, der bisher ganz auf Streaming und Bluetooth gesetzt hat und sich langsam an Vinyl herantasten will.
Der Pro-ject T1 Evo BT ist meiner Meinung nach das ideale Gerät dafür. Warum? Weil er im Sinne Dieter Rams’ „weniger, aber besser“ ausgestattet ist.
Das fängt schon damit an, dass du den Plattenspieler erst einmal selbst zusammensetzen musst, wenn du seine Teile ausgepackt hast. Keine Angst, dabei brauchst du nicht ganz vorne anzufangen. Und es dauert nur 2 Minuten.
Pro-ject T1 Evo BT: Der Zusammenbau






Der eigentliche Plattenspieler ist vormontiert. Motor, Schalter und Anschlüsse sind auf der Unterseite des Chassis befestigt. Du musst nur den Antriebsriemen über die Riemenscheibe und den Unterteller legen, darauf dann den Plattenteller aus schwerem Glas und die Filzmatte auflegen. Noch die transparente Haube aufsetzen, das Netzteil einstecken und es kann losgehen. Zum Schluss löst du die Sicherung des Tonarms.
Ab Werk sollte der Auflagedruck bereits optimal für den Ortofon OM10 Tonabnehmer eingestellt sein. Mir kam er allerdings eine Winzigkeit zu leicht vor, da die Nadel ein- oder zweimal sprang, als ich sie ganz normal mit dem Tonarmlift auf die Platte absenkte.


Zum Glück liegt ein Instrument zum Messen des Auflagedrucks bei. Das bestätigte meinen Eindruck. Eigentlich solltest du es nur benötigen, wenn du den installierten Ortofon-Tonabnehmer OM10 wechseln willst. Aber so konnte ich den Auflagedruck anpassen, wie in der Anleitung zum Pro-ject T1 Evo BT angegeben. Eine Sache von wenigen Minuten.
Die Verbindung: über Kabel oder Bluetooth.
Willst du den Pro-ject T1 Evo BT per mitgeliefertem Kabel mit deinem Verstärker verbinden, nimmst du den Phono-Ausgang und den Phono-Eingang an deinem Verstärker. Über den Line-Ausgang am Plattenspieler nutzt du den integrierten Vorverstärker. So kannst du ihn auch mit einem Verstärker ohne Phono-Stufe verwenden. Oder mit aktiven Lautsprechern, ohne einen Verstärker.



Bluetooth schaltest du über einen Schalter rechts am Chassis ein. Du siehst dann ein weißes Licht blinken und der Plattenspieler sollte sich automatisch mit dem anderen Gerät, dem Kopfhörer oder Lautsprecherpaar verbinden, das du in Verbindungsbereitschaft gesetzt hast.
Das funktionierte zum Beispiel mit den Bose Soundlink Lautsprechern, die ich vor einiger Zeit getestet habe. Hier musste ich zur Verbindung nur einmal kurz die Bose-App öffnen. Auch den Dyson OnTrac Kopfhörer konnte ich so innerhalb von Sekunden verbinden (Wieder mit Öffnen der Dyson-App). Den Test zum Dyson OnTrac findest du hier.
Willst du das Ausgabegerät wechseln, musst du die Verbindung unterbrechen und neu herstellen. Ein gleichzeitiges Hören über Bluetooth und Kabel ist zwar möglich, aber nicht unbedingt ratsam, denn es kommt zu einer leichten Verzögerung der Wiedergabe, so dass der Ton über Kabel und Bluetooth nicht ganz synchron ist. Ratsam ist es also nur, wenn sich die Bluetooth-Lautsprecher in einem anderen Raum befinden und du nicht beide Ausgabegeräte gleichzeitig hören kannst.
Die Bedienung des Pro-ject T1 Evo BT: einfach und minimalistisch

An der linken Seite des Chassis findest du den Ein- und Ausschalter. Außerdem wählst du hier die Geschwindigkeit, mit der sich der Plattenteller dreht. Kippst du den Schalter aus der Mittelstellung 0 nach vorne in Stufe 1, dreht sich der Teller mit 33 Umdrehungen, in der hinteren Stellung 2 mit 45 Umdrehungen.
Bei EURONICS kaufen
Es gibt also keinen zusätzlichen Drehzahlschalter. Auch einen Start-/Stop-Knopf wirst du vergeblich suchen. Der Plattenspieler Pro-ject T1 Evo BT ist – wie schon geschrieben – minimalistisch ausgestattet. Über den Schalter links schaltest du ihn ein, dann beginnt sich der Plattenteller zu drehen. Du hebst den Tonarm über den kleinen Hebel rechts, führst ihn per Hand zur gewünschten Stelle auf der Platte und senkst ihn – wieder über den kleinen Hebel – ab.

Ist die Platte beendet, hebt sich der Tonarm nicht automatisch, der Plattenteller stoppt nicht. Auch hier zeigt sich, dass der Pro-ject T1 Evo BT für aktives Zuhören gedacht ist. Und das bedeutet, dass du selbstverständlich bemerkst, wenn die Zeit gekommen ist, die Platte zu wenden oder den Plattenspieler auszuschalten. Schließlich ist keine Musik mehr zu hören.
Technische Daten des Pro-ject T1 Evo BT
| Geschwindigkeiten | 33, 45 |
| Drehzahlabweichung | 33: 0,7% – 45: 0,6% |
| Drehzahlschwankung | 33: 0,25% – 45: 0,23% |
| Antriebsprinzip | elektronisch gesteuerter Riemenantrieb |
| Plattenteller | 8mm Glas mit Filzmatte |
| Plattentellerlager | Edelstahl/Messing |
| SNR | 65 dB |
| Tonarm | 8.6” Aluminium |
| Effektive Tonarmlänge | 218,5 mm |
| Überhang | 22,0 mm |
| Effektive Tonarmmasse | 8,0 g |
| Gegengewicht für Massen | 5 – 10g (vorinstalliert) |
| Einstellbereich Auflagekraft | 0 – 50mN (17,5 mN eingstellt) |
| Inkludiertes Zubehör | Staubschutzhaube, Filzmatte |
| Netzteil | 110 – 240V/50, 60Hz; 15 V DC 800mA |
| Stromverbrauch | 4.5 Watt max. |
| Maße | 415 x 100 x 335mm (BxHxT) |
| Gewicht | 3.8 kg netto |
Die Daten stammen aus der Produktbeschreibung des Herstellers.
Mein Fazit: Einfach gut
Der Pro-ject T1 Evo BT macht richtig Spaß und vermittelt mit seinem CNC-gefrästen Chassis und dem massiven Glasteller einen deutlich wertigeren Eindruck als viele anderen günstige Bluetooth-Plattenspieler.
Minimalistisch im Aufbau, einfach zu bedienen und mit allem ausgestattet, was du brauchst, um deine Liebe zu Vinyl (wieder) zu entdecken.
Ein tolles Beispiel für die Konzentration auf das Wesentliche, ohne Schnickschnack, aber mit viel Gefühl dafür, was nötig ist.
- CNC-gefrästes Chassis, massiver Plattenteller aus Glas
- Verzicht auf Automatik, einfache und geradlinige Bedienung, minimalistisch
- Verbindung via Line, Phono oder Bluetooth
