Mixtape aufnehmen im Jahr 2026: Lange nicht mehr so viel Spaß gehabt!

Fast dreißig Jahre nach seinem letzten, nimmt unser Autor noch mal ein Mixtape auf Kassette auf. Elvis steht ihm dabei Pate.

Mixtape aufnehmen im Jahr 2026: Lange nicht mehr so viel Spaß gehabt!
Ein neues Mixtape, aufgenommen mit dem We Are Rewind Elvis. (Bilder: Jürgen Vielmeier)

Als die 90er zu Ende gingen, hatte ich das Medium Mixtape eigentlich perfektioniert. O-Töne, Songs, genau getimed und ohne störende Pausen dazwischen aufgenommen. Und ich nahm zum Abschied aus meiner Heimatstadt ein Mixtape auf, das nur aus meinen Lieblings-Filmzitaten gefolgt von meinen damaligen Lieblingsliedern bestand. Ich verschenkte es an Freunde und behielt eins auch für mich selbst, bis heute.

Als ich kürzlich We Are Rewind-Kassettenspieler zum Testen bekam, hätte ich nicht gedacht, dass es so viel Spaß machen würde, das alte Mixtape nochmal wieder laufen zu lassen. Und dass es auf dem gekoppelten Bluetooth-Lautsprecher so gut klingen würde. War schon gute Soundqualität vom Tape, Marke: BASF (!), Chrome Super, Typ II, und das anscheinend auch noch fast dreißig Jahre später.

Als ich da so sitze und lausche und nebenbei bemerke, dass der We Are Rewind vom Typ WE-001 „Elvis“ auch eine Aufnahmefunktion hat, ist die Idee geboren: Wie wäre es, im Jahr 2026 noch einmal ein Mixtape aufzunehmen?

Technik war schon weiter

Ich habe nicht viel Zeit, ehe die Testgeräte zurück müssen, also bestelle ich schnell im Internet die nächstbeste Einzel-Kassette mit schneller Lieferung und dazu ein Klinke-auf-Klinke-Kabel (3,5mm). Denn nur damit soll es funktionieren – der We Are Rewind Elvis hat einen solchen Eingang. Und mein MacBook Neo auch einen passenden Kopfhörerausgang.

We Are Rewind Mixtape 2026 Elvis Aufnahme Setup
Simples Setup: Laptop über den Kopfhörerausgang mit dem We Are Rewind verbunden.

Es dauert nicht lange und die Hardware ist da, aber was nun? Welche Musik eigentlich und will ich auch noch andere Sounds darauf haben, etwa Filmzitate?

Ich schaue ein wenig YouTube durch und finde zumindest ein paar Zitate etwa aus dem Filmklassiker „Die Maske“ mit Jim Carrey: „Mit welchem Fuß bist du denn heute aus welchem Bett aufgestanden?“ – „Das weiß ich selber nicht so genau.“

Die richtige Stelle abgepasst – Untertitel helfen hier, weil das MacBook mit eingestecktem Kabel am Kopfhörerausgang keinen Sound mehr über die internen Lautsprecher abspielt. Und dann schnell am Elvis auf Record und kurz danach bei YouTube auf Play gedrückt.

Weil YouTube mir noch ein zuletzt gehörtes Musikvideo einer Swing-Coverversion von „Bad Romance“ anzeigt und ich finde, dass das passen würde, lasse ich die Aufnahme direkt damit weiterlaufen. Ich höre weiterhin: nichts, weil das Klinkenkabel eingesteckt ist.

We Are Rewind Mixtape 2026 Elvis Keine Pause Taste
Elvis hat keine Pause-Taste. Die hätte die Übergänge etwas weicher machen können.

In der Zwischenzeit: banger Blick auf Elvis, meinen Bruder im Geiste. Ob da auch wirklich Sound ankommt? Ganz analog dreht sich da nur das Band, keine Anzeige oder irgendwas informiert darüber, ob gerade eine Aufnahme läuft. Ich muss dem Unterfangen vertrauen.

Als der Song durchgelaufen ist, drücke ich auf Stopp und spule sofort zurück. Ist da wohl was angekommen?

Ich bin erstaunlich aufgeregt, als ich auf Play drücke. Und dann? Tatsächlich! Da ist was zu hören! Erst der O-Ton aus „Die Maske“, dann das Swing-Cover. Der Sound könnte zwar besser sein – das kurzfristig bestellte Tape ist nur vom Typ 1, also der niedrigsten Qualität, aber es geht.

Herrlich, so ein Mixtape! Doch dann…

Der Rest wird mich den ganzen Abend auf Trab halten. Von YouTube und Spotify kommt alles drauf, was mir gerade so in den Sinn kommt – aber von dem ich auch das Gefühl habe, dass es ungefähr thematisch passen könnte. Wir wollen ja eine Handschrift dort sehen, etwas was einem King würdig ist.

Kurz vor Ende der ersten Seite nehme ich erst einen kurzen Song auf und überspiele ihn direkt danach wieder mit einem längeren, als ich merke, dass da noch Platz ist. Zwischendurch kontrolliere ich immer mal wieder kurz, ob auf dem Tape auch wirklich alles ankommt, was ich da drauflade. Ja, tut es.

Als auch die zweite Seite zu Ende geht, finde ich, dass ich meinem Helfer Tribut zollen sollte. Es kommt noch ein Song von Elvis auf das Tape!

Ich war nie ein großer Fan des „King of Rock“, aber einen Song, den ich von ihm immer schon mochte, ist sein frühes Werk „All shook up“. Und das ist mit gerade mal 1:59 Minute auch so schön kurz, dass es (zumindest fast) noch draufpasst.

We Are Rewind Mixtape 2026 Elvis Mixtape
Das fertige Exemplar: Ein 60-minütiges Mixtape aus dem Jahr 2026 – wer hätte sich das 1996 ausmalen können?

Am Ende des Abends voller Vorfreude die Stunde der Wahrheit. 60 Minuten ist das Tape lang – eine ganze 90er hätte ich in der Kürze der Zeit nicht geschafft aufzunehmen.

Und das Ergebnis ist… okay. Die Soundqualität ist was dumpf. Warum setzt der Kassettenhersteller Jahrzehnte nach der Erfindung nicht auf den viel besseren Typ II?

Zwischen den O-Tönen und den einzelnen Tracks sind teils unschöne Pausen. Das genaue Austarieren von Anfang und Ende eines Tracks ist schwierig, wenn man während der Aufnahme nichts hört. Und dazwischen immer das deutlich laute Knacken an Anfang und Ende einer Aufnahme. Das liegt an einem der wenigen Nachteile des We Are Rewind WE-001: Es ist keine Pause-Taste verbaut, die bei Aufnahmen sanftere Übergänge schaffen würde.

We Are Rewind Mixtape 2026 Elvis Mann und sein Mixtape 2
Voller Stolz: Ein Mann und sein Tape

Aber die Zusammenstellung der Songs und das Mixtape an sich: ach, herrlich! 🙂 Ich habe da keinen Schrott ausgewählt, sondern Songs, die gut zusammen passen und herrlich zusammen klingen.

Ich lege mich eine Stunde aufs Sofa und mache wirklich nicht viel anderes, als einfach der Musik vom We Are Rewind Elvis auf meinem Bluetooth-Lautsprecher zu lauschen. Kein Vorspulen, kein Zurückspulen, skippen ja sowieso nicht. Einfach mal eine Stunde lang herrlich entschleunigt einer Aufnahme zuhören. Mixtapes waren eigentlich eine tolle Idee! Warum sind sie bloß irgendwann verschwunden?

Die Antwort liefert mir das Band kurz vor Ende der ersten Seeeeite. Denn bei „Katzen“ von Mine beginnt es plötzlich zu leiern. Man kann es sich noch anhören, aber das Leiern wird nicht mehr verschwinden und kommt auch schon nach den ersten Tracks auf der zweiten Seite zurück.

Würde ich das Unterfangen weiter verfolgen, würde ich in mehr Qualität investieren: einen 5er-Pack der guten alten Chrome-II-Kassetten vom Typ Maxell etwa – es gibt sie noch!

Aber dann ist zum Schluss auch die Frage: Jetzt, wo ich Elvis bald wieder abgeben muss und das Mixtape fertig aufgenommen habe: Was mache ich eigentlich damit?

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