Elbow für Musikkassette

Elbow: Das Revival der Musikkassette?

Elbow ist eine Designstudie für eine neue Art von Kassettenspieler. Aufgrund vieler positiver Reaktionen wird jetzt ein Protoyp entwickelt. Er soll das Medium Musikkassette wiederbeleben.

2010 gab Sony bekannte, dass der Walkman für Kompaktkassette (Compact Cassette, CC), auch als Musikkassette (MusiCassette, MC) oder Audiokassette bekannt, nicht mehr produziert würde. Und jetzt entwickelt das litauische Künstlerduo BrainMonk einen Kassettenspieler für das 21. Jahrhundert. Zwar für das Retro-Medium Musikkassette, aber selbst gar nicht Retro.

Neues Leben für die alten Tapes

Das Video mag zu Beginn etwas schräg und chaotisch sein, der Elbow Kassettenspieler ist es nicht. Im Gegenteil: sehr minimalistisch und durchdacht wirkt das Gerät. Momentan handelt es sich zwar noch lediglich um eine Designstudie. Aber die Menge der positiven Rückmeldungen hat dazu geführt, dass jetzt ein Prototyp entwickelt wird.

Wenn der Elbow tatsächlich produziert würde, hätte er wahrscheinlich gar nicht so schlechte Chancen. Und zwar nicht nur bei Nostalgikern, die den verschwundenen Medien ihrer Jugend nachtrauern.

Meine jetzt zwanzigjährige Drittgeborene (T3) bekommt von ihrem Freund hin und wieder noch ein echtes Mixtape. So richtig als Musikkassette. Beim ersten Mal musste ich erst einmal in der Elektronikkiste wühlen. Glücklicherweise konnte ich tatsächlich noch einen funktionsfähigen Kassettenspieler von Aiwa auftreiben.

Bei der Gelegenheit bin ich dann auch noch über zwei Kisten voller alter Mixtapes gestolpert, von denen ich mich nicht trennen konnte. Mit dem Elbow hätten die eine Chance, wirklich noch mal gehört zu werden. Denn dieser neue Ansatz für einen Walkman vermeidet einige Nachteile der alten Geräte und bringt ein paar neue Vorteile mit sich.

Elbow für Musikkassette

Der Elbow Kassettenspieler: Schlank und minimalistisch

Zunächst einmal ist der Kassettenspieler nicht so schwer und klobig wie seine Vorgänger. Eine Kompaktkassette ist ja, wie der Name schon sagt, recht kompakt. Erst durch das Gerät drumherum wurde alles in der Vergangenheit sehr klobig – jedenfalls nach heutigen Massstäben. Das Gehäuse eines Walkmans allein entsprach dann schon mal 4 heutigen Smartphones übereinandergelegt. Dazu noch das Gewicht der Batterien.

Elbow dagegen ist kein Gehäuse, sondern besteht im Prinzip aus zwei Armen. Diese sind über ein Gelenk verbunden. Eben wie Oberarm und Unterarm durch das Ellbogengelenk.

Das Gelenk lässt sich in zwei Richtungen bewegen, ein bisschen wie der Tonarm eines Plattenspielers. Klappt man die Arme auseinander, kann man eine Kassette einsetzen. Über eine seitliche Bewegung kann man die Abspielrichtung ändern. (Früher hieß das Autoreverse. Ohne diese Funktion musste man die Kassette aus dem Walkman nehmen und umdrehen, um die andere Seite zu hören).

Elbow für Musikkassette

Intuitive Bedienung, nette Features

Über ein Kontrollrad kann man die Wiedergabe starten und die Lautstärke steuern. Ein Dreh in die andere Richtung betätigt den schnellen Vorlauf. Dieser ist variabel. Je weiter man dreht, desto schneller wird gespult.

Der integrierte Akku soll über einen Mini-USB-Anschluss geladen werden. Ich hoffe mal, das ändert sich in Micro-USB oder USB-C, wenn der Elbow wirklich in Produktion gehen sollte. Zumal geplant ist, den Anschluss nicht nur zum Laden zu verwenden. Man soll den Elbow auch direkt mit dem Rechner verbinden können, um seine Kassetten darüber zu digitalisieren.

Der Kopfhörer wird über eine Standard-Klinke mit 3,5 mm angeschlossen. Ein kleiner Pin ist dazu gedacht, den Elbow samt Kassette an die Kleidung anzuheften. Der magnetische Tonkopf soll durch einen Rahmen vor Beschädigungen beim Transport geschützt werden. Dieser Rahmen passt genau in die Öffnung der Kassette und sorgt für stabilen Halt. Direkt am Tonkopf sitzt ein optischer Sensor. Dieser kontrolliert und steuert die konstante Bandgeschwindigkeit.

Elbow für Musikkassette

Kommt ein Revival der Musikkassette?

Klingt alles durchdacht und macht Musik wieder anfassbarer. Aber ich glaube kaum, dass der Elbow mehr sein wird als ein Nischenprodukt. Die Musikkassette war nach meiner Erinnerung immer ein Kompromissmedium. Eigentlich wollte man Musik auf Schallplatte. Die Qualität war einfach besser. Aber eine LP kostete in der Regel mehr als das Dreifache einer Leerkassette. Eine Single mit zwei Songs immer noch eine Mark mehr. Und natürlich war die Musikkassette das einzige Medium, mit dem man Musik unterwegs hören konnte.

Allerdings neigen Kassetten dazu, mit der Zeit zu verschleißen. Sie fangen an zu eiern, werden dumpf im Klang, reißen – all das kann einem mit heutigen digitalen Audiodateien nicht passieren. Für unterwegs wären diese also immer die bessere Wahl. Da kann die Musikkassette noch so ikonisch sein. Für unterwegs ist digitale Musik besser. Wenn es darum geht, Musik in möglichst guter Qualität zu hören, wann man mag, ist die Musikkassette überflüssig geworden. Sie mag romantischen, nostalgischen und historischen Wert besitzen. Und wenn man sie als musikalischen Liebesbeweis nutzt, um seinem Partner mit echten, analogen Mixtapes seine Liebe zu zeigen, lohnt sich sicher auch die Anschaffung. Meine T3 jedenfalls war ziemlich davon angetan. Zumal mein alter Aiwa jetzt leider doch anfängt zu leiern.

Weitere Infos über den Elbow gibt es auf der Website und der Facebook-Seite. In einem PDF für die Presse kann man sich außerdem noch über weitere Details informieren.

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