Bose QuietComfort 35 im Praxistest: Dieser Kopfhörer gibt Ruhe

Lärm ausblenden sollte mein neuer Kopfhörer, und gut sitzen. Der Bose QuietComfort 35 liefert zudem noch einen guten Klang und sticht die Konkurrenz durch seinen Akku aus. Ein Tragetest.

Die Bauarbeiter haben sich im Haus angekündigt, die Wohnung unter meinem Arbeitsplatz wird ausgebaut. Das bedeutet wochenlang Lärm, wenn ich mich konzentrieren muss. Ein Noise-Cancelling-Kopfhörer muss also her. Doch die Auswahl ist gar nicht so einfach: Die Eigenschaft, Umweltgeräusche auf Knopfdruck ausschalten zu können, kostet einiges. Und eine Garantie gibt es keine, dass sie wirklich Ruhe bringen, wenn erst einmal der Bautrupp angerückt ist. Meine Wahl fiel schließlich auf den Bose QuietComfort 35. Berichtet hatte Kollege Sven Wernicke schon über den QC35, hier folgt nun der Praxistest.

Bose QuietComfort 35 mit Steuerung und Micro-USB-Port (Bild: Peter Giesecke)

Bose QuietComfort 35 mit Steuerung und Micro-USB-Port (Bild: Peter Giesecke)

Ein Vergleich mit anderen Noise-Cancelling-Kopfhörern steht mir nicht zu. Noch nie zuvor habe ich ein solches Gerät genutzt. Um Musik zu hören, stecke ich mir bloß die Stöpsel in die Ohren, die beim letzten Smartphone beilagen. Der erste Eindruck: Der Bose QuietComfort 35 sitzt angenehm am Kopf, auch nach längerer Zeit, obwohl er mit etwas über 300 Gramm kein Leichtgewicht ist. Er umschließt auch die Ohren (over-ear), ohne zu drücken. Zu meiner Überraschung schirmt er bereits einen Großteil der Außengeräusche ab, ohne die aktive Geräuschunterdrückung eingeschaltet zu haben. Manchmal sitze ich auch einfach nur so mit ihm da.

Im ICE tragen, aber nicht auf der Straße

Über einen einfachen Schiebeschalter auf der rechten Ohrmuschel lassen sich am Bose QuietComfort 35 Bluetooth und Active Noise Cancelling einschalten. Der Koppelungsvorgang gelingt auf Anhieb. Im Prinzip müssen Smartphone und Kopfhörer nur mit den Stellen aneinander gehalten werden, wo das NFC-Zeichen zu sehen ist. Seitdem verbinden sich beide Geräte umgehend, sobald sie sich in Bluetooth-Reichweite zueinander befinden. Das Smartphone kann also auf dem Tisch liegen oder in der Tasche stecken bleiben. Einfach nur den Bose QC35 aufsetzen und Musik per Steuerung an der rechten Ohrmuschel fortsetzen. Die drei Tasten sind angenehm groß und gut zu erreichen.

Für mein Gefühl ist der Klang gut, mit angestecktem Audiokabel (also ohne Bluetooth) sogar noch besser. Doch mehr dazu kann ich als jemand, der nicht audiophil ist, gar nicht sagen. Der Bose QuietComfort 35 soll mir auch nicht besonders schön die Musik ins Ohr spielen, sondern dort einfach bloß den störenden Umgebungslärm fernhalten. Und das funktioniert famos. Tiefere Töne wie im Straßenverkehr werden fast komplett herausgefiltert, aber ich höre und verstehe auch teilweise noch Stimmen.

Die Polsterung des Bose QuietComfort 35 sitzt gut und schirmt bereits passiv gut ab (Bild: Peter Giesecke)

Die Polsterung des Bose QuietComfort 35 sitzt gut und schirmt bereits passiv gut ab (Bild: Peter Giesecke)

Ich hatte befürchtet, dass das Geplapper anderer Menschen noch klarer hervortreten und mich umso mehr vom Arbeiten abhalten könnte – im ICE zum Beispiel. Doch das ist nicht der Fall. Der Bose QuietComfort 35 schenkt die Ruhe nicht, indem er hundertprozentige Stille erzeugt, sondern indem er den Überlauf an Geräuschen massiv reduziert. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie es sein wird, wenn die Bauarbeiter in der Etage unter mir die Maschinen anwerfen. Vor allem die Kreissäge fürchte ich. Eines ist mir aber bereits jetzt klar: Ich werde die Kopfhörer mit aktiviertem Noise Cancelling nie als Fußgänger oder Radfahrer im Straßenverkehr tragen – aus Angst, über den Haufen gefahren zu werden.

Akku per Micro-USB laden

Was ist noch wichtig zu wissen? Als erster Kopfhörer von Bose verfügt der QuietComfort 35 gleichzeitig über Bluetooth und Active Noise Cancelling (ANC). Wer mit einem Kabel leben kann, sollte sich das Vorläufermodell QuietComfort 25 anschauen. Wichtig für mich: Auch wenn die Geräuschunterdrückung ausgeschaltet oder der Akku leer ist, möchte ich weiterhin Musik hören können – vorausgesetzt, ich habe das Audiokabel dabei. Die versprochene Akkulaufzeit von 20 Stunden mit Bluetooth und ANC aktiviert habe ich nicht nachgemessen. Sie erscheint aber glaubhaft, die Sprachansage des Akkustands zählt sehr langsam in 10-Prozent-Schritten herunter. Nachgeladen wird über das gleiche USB-Kabel, das ich für das Smartphone dabei habe. Eine Ersatzbatterie muss ich also nicht mitschleppen.

Ein Vergleich des Bose QuietComfort 35 mit anderen Noise-Cancelling-Kopfhörern ist mir leider nicht möglich. Die Modelle Sennheiser MM 550-X TRAVEL, Sennheiser Momentum Wireless, Denon AH-GC20, Plantronics BackBeat PRO, Jabra Vega und Sony MDR-1RNC habe ich mir lediglich auf dem Papier angeschaut – und mich allein auf dieser Grundlage für den Bose QuietComfort 35 entschieden. Keiner dieser NC-Kopfhörer hat den Anspruch, den besten Klang herauszukitzeln. Wer so hoch hinauswill, muss unter Umständen 1.000 Euro auf den Tisch legen. Musikliebhaber leisten sich das vielleicht, doch in der S-Bahn werden die HiFi-Kopfhörer dann doch nicht getragen. Mir reicht der QC35.

Mein Fazit

Der Bose QuietComfort 35 soll nicht primär für guten Klang sorgen (auch wenn er mir zusagt), sondern für Ruhe. Das ist die Freiheit, die ich mir schaffen wollte. Ich will ihn lange auf dem Kopf tragen können und Ruhe zum Arbeiten bzw. Abschalten haben. Das war mir das Geld wert. Bislang habe ich es nicht bereut.

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