Das ist Bose AR. (Foto: Bose)

Augmented Reality zum Hören: Was ist Bose AR?

Bisher verbinden wir mit Augmented Reality visuelle Elemente, die unser Gesehenes erweitern. Bose möchte mit akustischen Informationen unsere Realität erweitern. Wie funktioniert Bose AR?

Auf dem South by Southwest Festival stellte der Hersteller Bose seine ungewöhnliche AR-Brille Bose AR vor. Sie sieht fast wie Google Glass oder andere Konzepte aus dem Bereich Augmented Reality aus, allerdings konzentriert sich das Unternehmen auf das, was es seit vielen Jahren am besten kann: die Akustik. Abhängig von dem, was ihr euch anschaut, werden passende Inhalte zu euren Ohren geschickt. Öhm? Wie jetzt?

Was ist Bose AR?

Stellt euch vor, ihr steht in einem Museum, blickt auf ein Gemälde und genau in diesem Moment erzählt euch ein Sprecher, von wem dieses Bild stammt und was sich für eine Geschichte hinter diesem verbirgt. Gegenüber herkömmlichen Audio-Guides erkennt Bose AR selbständig, wo ihr euch befindet und in welche Richtung ihr schaut.

Kann eine ganz normale Brille sein. (Foto: Bose)

Kann eine ganz normale Brille sein. (Foto: Bose)

Etwas weiter gesponnen, finde ich Bose AR schon sehr spannend. Zum Beispiel, wenn ihr auf Sightseeing-Tour in einer fremden Stadt unterwegs seid. Guckt euch ein Denkmal oder ein antikes Gebäude an – die Brille teilt euch mit, was ihr gerade betrachtet. Auch für Bildungseinrichtungen, das Hören von Musik und den Alltag sei Bose AR bestens geeignet.

Kein Hexenwerk

Bose AR scheint mir zwar einen reizvollen Ansatz zu verfolgen, von einer völlig neuen Technologie ist vermutlich trotzdem nicht die Rede. Die Brille ist mit eurem Smartphone verbunden, zwischen Telefon und Peripherie findet ein kontinuierlicher Austausch statt. Vom Handy stammen unter anderem die Standort-Informationen (GPS), Sensoren in der Brille nehmen die Blickrichtung des Trägers wahr.

Bose AR ist aktuell noch ein Prototyp. (Foto: Bose)

Bose AR ist aktuell noch ein Prototyp. (Foto: Bose)

Die dazugehörige App für iOS und Android sammelt die Daten und gibt entsprechendes Audiomaterial zum Anwender aus. Der hört dieses über eingebaute Lautsprecher im Rahmen. Sie sollen nur für euch hörbar sein, nicht aber für Außenstehende. Auf Knochenschall-Übertragung verzichtet Bose.

Eine Bedienung erfolgt über Touch-Gesten und Kopfnicken. Auch Sprachsteuerung ist vorgesehen, Bose AR besitzt integrierte Mikrofone. Mit denen nehmt ihr Anrufe entgegen oder nutzt eine Assistentin wie den Google Assistant.

Vielversprechender Ansatz

Ich persönlich bin zwar skeptisch, ob die akustische Qualität überzeugen kann und die GPS-Genauigkeit ausreicht, die Grundidee ist aber hervorragend. Denn eine überzeugende Immersion bzw. glaubwürdige Erweiterung der Realität benötigt nicht nur Visuelles, sondern auch Akustisches. Und: Bose möchte hier von Anfang an mitmischen, der Konzern glaubt also an Bose AR.

Für Dienste und Apps, die Bose AR nutzen, möchte Bose insgesamt 50 Millionen US-Dollar zur Verfügung stellen. TripAdvisor, Yelp und TuneIn wurden als erste Partner genannt. Und bereits im Sommer sollen Entwickler ihre Developer-Kits erhalten. Ich schätze, eine Veröffentlichung für Konsumenten wie uns ist (frühestens) für 2019 angedacht.

Bose AR ist übrigens eher als Plattform ausgelegt, so dass auch andere Firmen diese für ihre Produkte nutzen können. Gerade in Kombination mit dem Gesehenen dürfte der Erlebnisfaktor bei Augmented-Reality-Anwendungen aufgrund der akustischen Komponente gravierend steigen.

Wie gefällt Dir dieser Beitrag?
Bewertung wird geladen …
2 Kommentare zu “Augmented Reality zum Hören: Was ist Bose AR?
  1. Bose AR gäbe es sehr vielfältige Einsatzmöglichkeiten.
    LKW-Fahrer, Taxifahrer, und andere Chauffeure könnten z.B. nähere Einzelheiten zum Zielort erfahren, welche grafisch vielleicht nicht so gut darstellbar wären.
    Parkplatzmöglichkeiten, Besonderheiten wie Einbahnstrassen, Wendemöglichkeiten für grössere Fahrzeuge, Parkhäuser und Brücken mit entsprechenden zulässigen Höhen, öffentliche Toiletten, etc.
    Das Fahrzeug-Navi ist nicht dabei, wenn man aussteigt, um die nähere Umgebung nach einem Ziel zu erkunden, welches nicht direkt einsehbar ist. Bose AR kann hier Richtungen anzeigen oder spezielle Infos wie die einer Unterführung oder einer Brücke besser beschreiben.
    Standortbezogene Besonderheiten, wie das verstärkte Aufkommen von Diebstahldelikten wird ein Navi nicht erklären, ein Bose AR jedoch könnte nach Abstimmung mit Polizeiinfos hier Hinweise geben.
    Spezielle Hotelwünsche könnten vielleicht per Multiple Choice in Verbindung mit Standortangaben besser verarbeitet werden und führen zu besseren Ergebnissen.
    In Notsituationen wäre Hilfe schnell und unauffällig alarmierbar und der Standort jederzeit angezeigt.
    Dies sind nur einige Beispiele, wo ein akkustisches Hilfe- und Führungssystem besondere Dienste leisten kann.
    Viele weitere Verwendungsmöglichkeiten sind denkbar.

    • Schöne Ideen, die du da hast. Also ich denke auch, dass akustisches AR in vielen Bereichen genutzt werden kann. Ich sehe dennoch immer ein Problem mit der GPS-Ungenauigkeit, mit der wir im Alltag oft genug konfrontiert werden. Und da gibt’s auch noch massive Unterschiede zwischen den Smartphones. Bose AR setzt wiederum explizit auf das GPS im Telefon und besitzt kein zusätzliches Modul zum Abgleich. Ob das zufriedenstellend funktionieren KANN, wird ja die Praxis zeigen. Wünschenswert wäre es. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Hinterlasse hier deinen persönlichen Kommentar. Wir freuen uns über deine Meinung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*