Auch das noch: Die Musikkassette feiert angeblich eine Renaissance

Auch das noch: Die Musikkassette feiert angeblich eine Renaissance

Sie stehen für nerviges Umspulen, Leiern und Bandsalat. Und doch soll der Musikkassette – ähnlich wie der Vinyl-Schallplatte – derzeit ein zweiter Frühling vergönnt sein. Warum bloß?

Technik entwickelt sich kontinuierlich weiter. Revolutionen wie der erste MP3-Player oder das erste Smartphone mit App-Oberfläche und reiner Touchbedienung gibt es selten. Deswegen halte ich gerne ab und an mal inne und mache mir bewusst, was wir eigentlich inzwischen alles haben. Geht es um den täglichen Musikgenuss, sind wir mittlerweile bei Millionen von Songs angekommen – immer und überall verfügbar für einen kleinen Obolus von 10 Euro im Monat. Und das alles in einer ordentlichen Soundqualität und ohne Umspulzeiten, von denen man schon fast vergessen hatte, dass es sie in der Blütezeit der Musikkassette einmal gab.

Oder immer noch gibt, mehr als zuvor. Denn die Musikkassette feiert gerade so etwas wie eine Renaissance. Rapper Eminem ist nur der neueste von einer ganzen Reihe von Künstlern, der eine Sonderedition seines Kultalbums „The Slim Shady LP“ auf einer Musikkassette neu herausbringt. Vor ihm machten es ihm schon unter anderem Justin Bieber, Kanye West und Marina and the Diamonds vor. Ihre jeweils neuen Alben waren neben zahlreichen anderen Formaten auch auf Kassette erhältlich.

Eminem vermarktet sein Album "The Slim Shady LP" auf der eigenen Website als Musikkassetten-Sonderedition. (Screenshot)
Eminem vermarktet sein Album „The Slim Shady LP“ auf der eigenen Website als Musikkassetten-Sonderedition. (Screenshot)

Gründe dafür muss man erstmal finden. Die britische „Daily Mail“, die den neuen Trend zur Kassette erkannt haben will, zitiert unter anderem Plattenboss Lee Rickard mit den Worten: „Musik klingt schlicht anders auf einem Tape, manchmal so, wie es vom Künstler gewollt war.“ Weitere Vorteile einer Kassette: ein bunt gestaltetes Cover, der günstige Preis – und nicht zuletzt hat man hier etwas in der Hand, was im Vergleich zu den ebenfalls weiterhin beliebten CDs und Vinyl-Schallplatten im wahrsten Sinne des Wortes kompakt ist.

Kompakt, ja, aber doch nicht praktisch?

Aber ganz ehrlich: Ist es das wert, auf diese eher ungeliebte Technik zurückzukehren? Nicht nur das Spulen und das Bandlaufverfahren sind seit der CD überholt. Selbst die Schallplatte erweist sich hier als zuverlässiger. Auch der Ton dürfte auf allen anderen bekannten Formaten besser sein. Ich für meinen Teil bin froh, dass wir inzwischen Musikstreaming haben.

Nur eins vermisse ich aus der Zeit der Musikkassette wirklich: Mixtapes. Die waren mit Liebe und Schweiß und Blut gemacht. Um eins aufzunehmen, musste man sich einen Nachmittag Zeit nehmen. Alles, was danach kam, war schneller dahin gerotzt und deswegen auch gefühlt weniger wert: eine CD zu brennen oder eine Spotify-Playlist zusammenzustellen, sind gemessen an einem Mixtape kein Aufwand mehr.

Technik für Nostalgiker

Solltet ihr also auch noch einmal auf den Geschmack gekommen sein: Ja, es gibt noch vereinzelt Geräte, die Musikkassetten abspielen oder gar aufnehmen können. Meist finden sich Tapes in Form von Kompaktanlagen mitsamt Radio und CD-Player, etwa den Sony CFD-S 50, den Soundmaster SCD 7900, aber auch den guten alten mobilen Kassettenabspieler wie von Roadstar oder sogar ein original Teac Doppel-Kassettendeck. Die Teac LP-R500 AB ist eine Multi-Stereo-Anlage mit eingebautem Kassenabspieler, der euch dabei helfen soll, eure alte Musiksammlung zu digitalisieren.

Ich geb’s selber zu: Ich habe in einer alten Schublade noch vier, fünf Mixtapes aus meiner Jugend, die mit so viel Liebe aufgenommen waren, dass ich sie schlicht nicht wegschmeißen mag. Und irgendwie habe ich jetzt doch Lust bekommen, sie noch einmal anzuschmeißen…

Das Beitragsbild zeigt übrigens keine Musikkassette, sondern eine Hama iPhone-Hülle, die einer Musikkassette nachempfunden ist. Für Nostalgiker.

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2 Kommentare zu “Auch das noch: Die Musikkassette feiert angeblich eine Renaissance

  1. Man muss es realistisch sehen. Kassetten werden immer wieder schlechter gemacht als sie sind. Natürlich ist die CD überlegen. Aber man bedenke das früher in den Studios erst ein Master-Tape gemacht wurde und diese Musik dann zur Plattenpresse kam. Also so schlecht war der Sound nicht.

    Die Kassette ist in Afrika noch immer aktuell weil unverwüstlich. Trotz Sand, Staub und Hitze (und fehlendem I-Net) funktioniert die Technik.

    Kassetten decken auch alle angenehm hörbaren Töne ab (wenn auch nicht ganz gleichmäßig). Alles ab 12 – 16KHz ist unangenehm / unerträglich.

    Wenn die Kassette leiert ist das Abspielgerät schuld. Bei mir leiert nichts.
    Bandsalat kenne ich auch nicht. Die Mängel der Kassetten sind immer an den Geräten zu finden. Ok, mit einem Walkman zum joggen…, da kann das Band irgendwann so schlecht gewickelt sein ..

    Schlimmer finde ich VHS-Kassetten. Diese hatten sich aber noch länger im Handel gehalten.

    Wer Kassetten benutzen will, sollte sich das auch trauen dürfen.
    Ich hab sie für mich wieder entdeckt.
    Weil eine Playlist eben nur eine Playlist ist.

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