So faszinierend 3D-Drucker auch sein mögen – für die allermeisten Menschen gehören sie nicht zum Alltag. Denn Kosten und Aufwand sind verhältnismäßig hoch. Eine vor allem für kreative Tüftler:innen reizvolle Alternative können 3D-Zeichenstifte sein. Denn freihändig entwirfst du mit ihnen Figuren und Dekorationen. Blutige Anfänger:innen nutzen praktische Vorlagen für erste brauchbare Resultate. Der auf smarte Produkte für Kinder spezialisierte Hersteller Myfirst hat mit dem 3DPen Make und dem 3DPen Artist gleich zwei solcher Stifte am Start. Sie funktionieren ähnlich, es gibt aber größere Unterschiede.
Das Wichtigste in Kürze
Inhalt:
Das sind der Myfirst 3DPen Make & Artist
Solltest du noch nie einen 3D-Zeichenstift ausprobiert haben, fällt ein Verständnis für die Funktionsweise sicherlich schwer. Letztlich hältst du das Gerät wie einen normalen, aber recht großen Stift in der Hand. Statt zum Beispiel etwas auf ein Blatt Papier zu malen, kommt aus der Spitze zähflüssiger Kunststoff. Bis sich dieser verfestigt, lässt er sich verformen. Die Zeit nutzt du, um Gebilde zu erschaffen. Das können zwei- oder dreidimensionale Objekte sein – was du dir vorstellen kannst.

Von der grundlegenden Funktionsweise sind der 3DPen Make und der 3DPen Artist identisch, allerdings möchte der Hersteller Myfirst unterschiedliche Zielgruppen ansprechen.
Eigenschaften des Myfirst 3DPen Make
Der 3DPen Make richtet sich explizit an Kinder zwischen 5 und 13 Jahren und ist vor allem für Einsteiger:innen gedacht. Aufgrund des verwendeten, umweltfreundlichen PCL-Filaments zum „Zeichnen“ genügen bereits niedrige Temperaturen ab 60 Grad Celsius (Betriebstemperatur zwischen 90 und 100 Grad), um das Material in die gewünschte Konsistenz zu bringen. Verbrennungen sind damit nahezu ausgeschlossen.

Die Bauweise ist bewusst einfach gehalten, ebenfalls gibt es bei dem 3DPen Make nur zwei Temperatur-Einstellungen sowie zwei Geschwindigkeiten, mit denen das Filament aus dem Stift austritt. Auch ist der Düsendurchmesser relativ groß (0,9 mm), die „Kunstwerke“ dadurch weniger fein und detailliert sowie praktischerweise zweidimensional. Aber genau das macht den Make damit auch für Laien spannend.
Technische Daten 3DPen Make
| Druckmaterial: | PCL, 1,75 mm |
| Temperatur: | 2 Stufen wählbar |
| Stromversorgung: | Integrierter Akku, DC 5V, 1A, 5W |
| Düsendurchmesser: | 0,9 mm |
| Maße: | 142 x 29 x 26 mm 46 Gramm |
| Lieferumfang: | 3D-Zeichenstift Ladekabel Quick Start Guide 27 Meter Filamente (9 Farben) |
Zugleich verfügt der Myfirst 3DPen Make über einen integrierten Akku, du musst also nicht noch mit Kabeln hantieren.


Auffällig am Myfirst 3DPen Make ist die generell robuste Bauweise, sodass er auch mal vom Tisch fallen kann. Dass er das nicht sollte, ist natürlich klar.
Eigenschaften des Myfirst 3DPen Artist
Der 3DPen Artist ist für ältere Kinder ab 12 Jahren gedacht, die vieleicht schon Erfahrungen in dem Bereich gesammelt haben. Das ist sinnvoll, denn der 3D-Zeichenstift kommt auf Temperaturen zwischen 190 und 230 Grad Celsius, die für das PLA- oder alternativ ABS-Filament nötig sind. Mit einem Düsendurchmesser von 0,7 mm lassen sich detailliertere 3D-Strukturen zeichnen, was wiederum Konzentration und Geduld voraussetzt.

Technische Daten 3DPen Artist
| Druckmaterial: | PLA, 1,75 mm ABS, 1,75 mm |
| Temperatur: | 130 bis 230 Grad wählbar |
| Stromversorgung: | DC 5V, 2A, 10W |
| Düsendurchmesser: | 0,7 mm |
| Maße: | 175 x 17 x 20 mm. Gewicht: 46 Gramm |
| Lieferumfang: | 3D-Zeichenstift Ladekabel Quick Start Guide 18 Meter Filamente (6 Farben) |
Die Temperatur und die Filament-Austrittsgeschwindigkeit lassen sich flexibel anpassen, dargestellt werden die aktuellen Werte auf dem integrierten OLED-Display. Aufgrund der anspruchsvolleren Technik und den hohen Temperaturen benötigst du beim 3DPen Artist ein Kabel für die Stromversorgung. Ein Akku ist nicht vorhanden, der Betrieb an einer Powerbank ist dank USB allerdings kein Problem.

Myfirst 3DPen Make und 3DPen Artist im Praxistest
Wer noch keinen Kontakt mit 3D-Zeichenstiften hatte, greift sicherlich zuerst zum 3DPen Make. Und tatsächlich entfaltet sich schon nach ein paar Minuten mit dem Gerät ein „aha“-Erlebnis. Die paar Knöpfe auf dem 3DPen erschließen sich auch Kindern schnell, die wichtige Taste für Start und Stop befindet sich direkt beim Daumen (als Rechtshänder).
Die grundsätzliche Funktion ist ohnehin nicht kompliziert: Oben am Stift kommt das Filament rein, im Inneren wird es erwärmt und aus der Spitze tritt der sehr zähflüssige Kunststoff wieder heraus. In diesem Moment kannst du Formen malen und so real entstehen lassen. Kids dürfte das zu Beginn sehr begeistern, denn bereits kurze Zeit später können sie ihre Idee in den Händen halten. Zum Beispiel ein Herzchen oder ein selbst gezeichnetes Tierchen.

Beim 3DPen Make ist auch schnell erkennbar: Extrem komplexe Gebilde lassen sich mit ihm nicht erschaffen, dafür ist auch die Art des Filaments ungeeignet. Denn PCL ist eher elastisch. Doch für hübsche 2D-Werke, vorsichtig auf einer Unterlage gezeichnet, ist es optimal. Und ja – auch Eltern werden ihre Freude haben. Was technisch bedingt, aber etwas schade ist: Beim Wechsel der Farben kommt immer noch ein Stück der alten Farbe heraus, was letztlich Abfall ist. Aber tragisch ist das wahrlich nicht.

Der Myfirst 3DPen Artist geht noch eine ganze Ecke weiter als der kleinere Make. Denn bei dem wird es im wahrsten Sinne des Wortes heiß. Bis zu 220 Grad ist es im Inneren, was du zum Glück nicht bzw. kaum merkst. Nur die Stift-Spitze wird recht warm. Die aktuelle Temperatur lässt du dir auf dem kleinen OLED-Display ablesen, was bei der Wahl der Filaments wichtig ist. Schön auch: Du darfst die Geschwindigkeit stufenlos anpassen. Generell ist die Bedienung nur geringfügig komplizierter als beim Make.

Trotzdem sind die Unterschiede schnell ersichtlich: Die mitgelieferten PLA-Filamente des Artist sind schon im normalen Zustand deutlich härter und stabiler, entsprechend lassen sich komplexere 3D-Objekte „malen“. Bringst du die Ruhe auf, zeichnest du mit dem Artist viel detailreichere Figuren. Dass immer ein Stromkabel am Stift hängt, stört zum Glück nicht. Andererseits liegt somit immer z.B. eine Powerbank mit auf dem Tisch. Die empfiehlt sich für den Artist zwingend, um vernünftig arbeiten zu können.
Immer Filament benötigt
Ähnlich wie bei einem Kugelschreiber oder Filzstift, benötigt es immer Material, damit du mit den 3DPens Formen erschaffen kannst. Dem 3DPen Make und dem 3DPen Artist liegen farbige Filamente bei. Sind diese aufgebraucht, musst du neues erwerben.

Myfirst verkauft passende Nachfüll-Pakete, aber auch andere Anbieter haben für die Stifte passende Filamente parat. Achten solltest du auf folgende Angaben:
- 3DPen Artist: PLA oder ABS, 1,75 mm Durchmesser
- 3DPen Make: PCL, 1,75 mm Durchmesser
Nachteile der 3DPen-Zeichenstifte von Myfirst
Sollte dein Kind oder du selbst Linkshänder:in sein, musst du dich etwas an die Verwendung der Tasten gewöhnen. Speziell der Myfirst 3DPen Make ist eher auf Rechtshänder:innen ausgelegt, aber natürlich von allen bedienbar, die die andere Hand bevorzugen. Beim 3DPen Artist klappt das besser, auch wenn man so nicht optimal auf das Display schauen kann. Ein weiterer Nachteil: USB-Kabel anderer Hersteller funktionieren nicht so recht. Entweder passen sie nicht (Make) oder sie laden das Gerät nicht auf. Das sollte es unserer Auffassung nach heutzutage nicht mehr geben.

Kein Nachteil, aber darüber solltest du dir im Klaren sein: Für komplett untalentierte Menschen sind die 3D-Zeichenstifte nicht geeignet. Sie setzen Geduld voraus, sonst bekommt man nicht einmal ein einfaches 2D-Herzchen hin. Dank steiler Lernkurve lassen erste solide Ergebnisse nicht lange auf sich warten. Aber sind deine Kinder eher hibbelig und brauchen Action, ist das nicht das geeignete „Spielzeug“.
Fazit: Werde kreativ!
Auch wenn unsere Kreationen allesamt nicht großartig aussahen, wir hatten viel Spaß mit dem Myfirst 3DPen Make und dem 3DPen Artist. Die 7-jährige Testerin fand gerade den einsteigerfreundlichen Make sehr spannend, für ältere Kinder und Erwachsene empfehlen wir den leistungsstärkeren Artist.

In Anbetracht der Tatsache, dass der für jüngere Kinder bestens geeignete 3DPen Make nur um die 40 Euro kostet, lohnt sich der Kauf für experimentierfreudige Familien. Das Konzept ist weniger abstrakt, sobald man die ersten Figuren gebastelt hat. Ganz im Gegenteil: Schnell entstehen Ideen, die man „zum Leben erwecken“ möchte. Und ja – das fasziniert auch die Eltern.
Fortgeschrittene entscheiden sich für den 3DPen Artist, der durch härteres Filament stabilere Konstruktionen erlaubt, aber auch Können, Ruhe und räumliches Denken abverlangt. Wer sich darauf einlässt, wird vom 3D-Zeichenstift begeistert sein.
- Einsteigerfreundliches Konzept
- Fördert Kreativität und Vorstellungsvermögen
- Bereitet Kindern und Erwachsenen Spaß
- USB-Kabel von Drittherstellern funktionieren nicht
- Nicht ideal für Linkshänder:innen
Na ja, jetzt mal ehrlich: Mehr als‘ne nette Spielerei, die rasch ihren Reiz verliert und dann in den Elektroschrott wandert, sind diese 3D-Pens nicht.